Über die Idolisierung

Im Zuge der Aufarbeitung der Benennung von öffentlichen Orten nach historischen Personen mit heute eher nicht mehr so lobenswerten Lebensläufen, barst es aus dem größten Oppositionspolitiker des aktuellen Jahrtausends heraus:

Um den Preis des linksextremen Applauses werde zwar für den Mörder und Folterknecht Che Guevara eine Büste im Wiener Donaupark errichtet – auf der anderen Seite versuche man jedoch jegliche dem Mainstream zuwiderlaufende Darstellung der Zeitgeschichte auszuradieren.

Wir erinnern uns: Eines Tages im Jahr 2007 gelangten Fotos des besagten Mannes an die Öffentlichkeit, die ihn beim Spielen im Wald zeigten. Umgehend lagen die Worte „Hetzkampagne und Lynchjustiz“ in der Luft.

Also besann sich der RFJ einer geradezu genialen Strategie: man nehme ein „linkes“ (Jugend-)Idol, und stülpe das Idol dem Parteichef über. Fertig ist das straCHE (Sept ’07):

Um dessen Vorbildrolle für Österreichs Jugend zu unterstreichen, startet der RFJ eine neue Kampagne unter dem Motto „Che Guevara ist tot, es lebe HC Strache“. Dazu gehören T-Shirts, auf denen im typischen Che-Guevara Aufdruck das Antlitz des Parteichefs und Slogans wie „Vota el partido de la libertad“ („Wähle die Partei der Freiheit“, Anm.) aufgedruckt sind. (apa)

Erwartungsgemäß reagierte der politische Mitbewerb nicht sonderlich positiv; immer hin war auch damals schon bekannt:

Che Guevara wirkte führend in den Revolutionsgerichten, welche zahlreiche Todesurteile verabschiedeten

und anlässlich des 40. Todestages gab es auch eine Podiumsdiskussion „zum brisanten Thema“.

Dennoch blieb der Neo-Che bei seiner Linie, und erläuterte mit seinen eigenen Worten (Okt ’07):

Ich bin also jemand, der heute für die Jugend versucht, eine sozial verantwortliche Politik zu machen, und für unsere Jugend auch Zukunft sicher zu stellen, nämlich im Sinne unserer Heimat, Identität und Kultur, die wir bewahren wollen. Das ist unser Zielpunkt, und so gesehen bin ich der Stra-Che. hihihi

So begründete der RFJ die Wahl des Herrn Che (Apr ’08):

Che ist ein Hoffnungsträger, ein Kultsymbol der Linken, der linken Jugend, und wir haben gesagt, wir nehmen das Bild des Che Guevara, ja, und sagen, dieser Mann ist tot, und wir haben ein Jugendidol, das lebendig ist.

Auf die gegensätzlichen Weltanschauungen von Che und HaChe angesprochen, antwortete er (Sept ’08)

Che Guevara war Kommunist, wie Sie wissen, er war auch Verbrecher, er hat auch Morde zu verantworten gehabt.

Ich bin die Gegenpode. Ich bin die Antipode.

Wir haben einen Kontrapunkt gesetzt.

„Verbrecher“ und „Morde“ sind das einzige, was ihm damals eingefallen ist.

Und so dauerte es nur ein paar Jahre, bis anlässlich der Umbenennung des Dr.Karl-Lueger-Ringes (Apr ’12) endlich, endlich, das Wort ausländischer Massenmörder fiel.

Die historische Sammlung der HaChe-Devotionalien finden sich z.B. hier, hier, hier, hier, oder unter einer Bildersuche Ihres Vertrauens.

Über den Herrn Che und sein Wirken kann man sich ansatzweise auf Wikipedia informieren, wobei der englische Artikel wesentlich ausführlicher und besser belegt ist als der deutsche. Sein Gegenspieler, ein Herr Batista (engl), war aber auch kein so ganz Guter.

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Eine Antwort zu Über die Idolisierung

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