Über Wahlergebnisse und Kälber

Da werden wochenlang die Werbetrommeln zur ÖH-Wahl gerührt, und was ist der Dank?

Die Mehrheit der Studenten hat kein Hirn

Die Mehrheit der Studenten hat kein Hirn

Ein Vergleich von Prozenten von Prozenten ist uns zwar nicht immer ganz geheuer, aber was solls: ein Trend ist ein Trend. Mit oder ohne Passagieren.

Der geschnappschusste Herr formuliert auch sonst auf seiner Online-Präsenz recht originell.

Andererseits ist das blaue Wahlergebnis nicht sonderlich überraschend, betrachtet man die Inhalte, für die der RFS kämpfte:

This page intentionally left blank (aus: Blutgruppe)

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und auch auf der Themen-Seite sieht es ernüchternd aus:

Sorry, but there aren't any posts in the category yet. (huch, lauter Fremdwörter!)

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(huch, lauter Fremdwörter!)

Da sollte man über jedes positive Stimmenpromillerl freuen, statt groß zu jammern!

Aaaaaber, von wem stammt nun das Zitat?

Das Internet mag zwar vermuten, es stamme von Herrn Brecht (was auch schon sehr ironisch wäre), oder wurde zumindest Herrn Schweyk in den Mund gelegt.

Doch der Heilige Gral allen Wissens hat auch hierzu die definitive Antwort. Der Ausspruch stammt von einem gewissen Herrn Max Friedlaender (1925), wie in seinen „Lebenserinnerungen“ festgehalten (Seite 103):

Doch nun zu Landsberg! Seine Rede auf dem Berliner Anwaltstag war formell ebenso glänzend wie die von Würzburg und inhaltlich enthielt sie viel Bedeutsames. Aber er machte den Fehler, ein persönliches Erlebnis – die Scheidungssache seiner Tochter in die Debatte zu ziehen und überdies daraus einen allgemeinen Angriff gegen die Gerichte herzuleiten. Als er zur Begründung der berechtigten Forderung, daß kein Gericht selbst darüber entscheiden dürfe, ob sein Urteil anfechtbar sei, das grobe Scherzwort anführte:

Nur die allergrößten Kälber

Wählen ihren Metzger selber,

fühlten sich die anwesenden Mitglieder des Reichsjustizministeriums begreiflicherweise verletzt und um ein Haar wäre der ganze Anwaltstag angesichts dieser Taktlosigkeit aufgeflogen.

Und nun noch zur endgültigen Ironie, die in der Zitierung liegt:

Nach der Machtübergabe an die Nationalsozialisten 1933 konnten er und seine beiden Partner in der Sozietät zwar weiterarbeiten, doch verlor die Kanzlei in Folge der öffentlichen Stigmatisierung der Juden ihr Klientel. Seine letzte Veröffentlichung war ein Beitrag in der Monatsschrift für Kriminalpsychologie Ende 1933. Sein Kommentar zur Rechtsanwaltsordnung verschwand aus dem Buchhandel und wurde durch ein Plagiat ersetzt, aus dem der Plagiator, der Vizepräsident der Reichsrechtsanwaltskammer Erwin Noack, die dort zitierten jüdischen Juristen entfernt hatte.

Gratulation zum Double-Speak!

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