Über die Ausländerwahlkämpfe

Am 10.5.’13 sagte ein bestimmter Mann einer bestimmten Partei in einem Interview mit einer bestimmten Zeitung, das auch andernorts behandelt wurde, den folgenden Satz geäußert

Wir werden mit Sicherheit keinen Ausländerwahlkampf führen wie etwa 2006.

Was denn der Unterschied zu 2006 sei?

Das war damals eine ganz andere Situation, da hat die FPÖ ums Überleben gekämpft. Damals hat man eben auf härtere Botschaften gesetzt.

Hier muss sich der Gute noch mit seinem Chef absprechen, der glatt behauptet, von anderer, neuer Seite bedroht behindert zu werden.

Oder etwa, dass das 2006 garkein Ausländerwahlkampf gewesen sein könnte, denn, wie in der heutigen Pressestunde klargestellt (13:40, Zeitangaben sind geschätzte Zeitpunkte, falls dieses Interview irgendwannmal von irgendjemandem hochgeladen wird):

Ich habe noch nie einen Ausländerwahlkampf gemacht.

Hier scheinen mir vorsätzlich widersprüchliche Aussagen unters Stimmvolk gebracht zu werden. Die einen werden das eine für wahr halten, und andere das andere, und wieder anderen geht die Lügerei schon heftig auf gewisse Körperteile.

Um ganz sicher zu gehen, wird nochmal nachgefragt (16:30)

Ausländer seien an vielem Schuld, das wäre als Ausländerwahlkampf zu interpretieren

worauf, wenig überraschend, 4 Minuten lang ebenso nicht eingegangen wird, bis der Interviewgegner es genau wissen will, und fragt

Das heißt, das Wort Ausländer kommt im Wahlkampf nicht mehr vor?

was mit der Nicht-Antwort

Bei mir ist noch nie der Begriff Ausländer auf einem Plakat vorgekommen.

und wir müssen sofort an Armin Wolfs Satz denken, dass man Politikerinterviews auch dann führen soll, wenn sie die Fragen nicht beantworten (wollen), weil es viel interessanter ist, wie Fragen nicht beantwortet werden, und dabei das berühmte Interview von Jeremy Paxman als Beispiel angibt.

Nun ja, das Wort „Ausländer“ mag auf keinem *seiner* Plakaten gestanden sein, aber auf einem anderen blaugefärbten ist es hier dokumentiert

Ausländerparallelgesellschaft

Ausländerparallelgesellschaft

Aber ein Plakat mit IHM und dem Wort „ausländisch“, das ausgerechnet auf der völlig parteifreien und unabhängigen Seite unzensuriert für die Nachwelt konserviert wurde?

Ausländische Konkurrenz

Ausländische Konkurrenz

Egal.

Wir sehen die Einschränkung mit den Plakaten, die natürlich absichtlich erfolgt ist, um der Beantwortung einer peinlichen Frage auszuweichen, nicht so eng, und widmen uns sogleich den „Wahlprogrammen“ und „Handbüchern“, nachdem das jüngste unübersehbare Wellen geschlagen hat.

Wir finden folgende Quellen:

und suchen darin nach diversen Zeichenfolgen, und kommen zu folgenden Ergebnissen

NRW 2006 NRW 2008 Handbuch 2008 Handbuch 2009 Wien 2010 Handbuch 2011
Seitenzahl 12 16 192 283 20 314
Ausländer 12 10 49 52 2 49
ausländisch 3 1 25 23 1 28
Asylwerber 4 1 28 22 2 34
Türkei 2 3 17 16 0 20
türkisch 1 0 5 5 0 7
Islam 4 1 43 44 3 59
Islamist 2 0 2 2 0 3
Islamismus 1 0 4 4 1 8
Abschiebung 2 0 4 4 1 10
Zuwanderung 3 3 18 37 6 53

und stellen fest: OK, keine Ausländer auf den Plakaten, aber in jedem Wahlkampfprogramm und jeder Version den Handbuchs, Tendenz steigend.

Nur damit das jetzt klar ist: Wenn einige Werbekampagnen aus unserer Jugend unsere EIGENE Jugend machen

unsere eigene Jugend

unsere eigene Jugend

dann reden wir nicht von mangelnden Deutschkenntnissen, oder einem Ausländerwahlkampf.

Und das Plakat, das sogar für diplomatische Verstimmungen gesorgt hat,

Marokkanerdiebe

Marokkanerdiebe

behandelt inländische wie ausländische Diebe von Marokkanern ohne Unterscheidung, genauso wie dieses Plakat

Asylbetrug

Asylbetrug

sowohl inländische als auch ausländische Asylbetrüger meint, wiewohl der inländische Heimatflug (bei gutem Verhandlungsgeschick) weitaus günstiger kommen würde.

Dass natürlich ein geteiltes Foto

dahoam

dahoam

nur wenige Stunden von anderen geteilt wird

dahoam überflutet

dahoam überflutet

ist nur ein dummer Zufall, eine böse Verschwörung, eine linkslinke Konstruktion, oder sonst eine Hetze. Oder alles zusammen oder keines von allem.

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5 Antworten zu Über die Ausländerwahlkämpfe

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