Über die Hochwasserhilfe

Hochwasser ist. Flussnahe Gebiete ertrinken dank der Nähe, und alle helfen allen. Auch die Muslimische Jugend Österreich ruft zur Unterstützung auf.

So weit, so wenig außergewöhnlich.

Und nächtens, wenn wir trotz müde noch immer viel zu wach sind, kurven wir eben in der Gegend rum, am Land ist’s ja recht schön, doch bei der jüngsten mitternächtlichen Ausfahrt sind wir auf ein weiteres gallisches Dorf gestoßen, das uns viel Freude bereitet.

So stand dort zu lesen (mittlerweile gelöscht)

FPÖ Traismauer: Österreicher kommen sehr gut ohne euch zurecht

FPÖ Traismauer: Österreicher kommen sehr gut ohne euch zurecht

Da viele Mitleser ihren Unmut äußerten, gab es eine Kommentarschlacht und Löschorgie, die in den Antworten gipfelten

FPÖ Traismauer: Koffer und Kübelkinder

FPÖ Traismauer: Koffer und Kübelkinder

So ist das anscheinend: Wahlberechtigte, die man sicher nie zu den eigenen Wählern zählen wird, werden als Koffer und Kübelkinder bezeichnet.

Doch auch die, die das Posting teilten, waren nicht mit dem Inhalt einverstanden

Traismauer geteilt

Traismauer geteilt

Der Verantwortliche wurde noch in den Nacht- und Morgenstunden ausgeforscht. Was nicht besonders schwer war, stellte er doch denselben Satz (mittlerweile ebenfalls gelöscht) auf seinem persönlichen Profil bereit

Raffetseder kommt ohne uns zurecht

Raffetseder kommt ohne uns zurecht

Der angegebene Link führt übrigens auf einen Thread der Infoseite – Hochwasser 2013 Österreich, die erst kürzlich eingerichtet wurde, und uns alle über das Hochwasser auf dem Laufenden hält.

Die einen halten es für „typisch“, die anderen wollen’s nicht glauben und schreien „FAKE“, und wenn wir’s nicht selbst beobachtet hätten, könnten wir es wohl auch kaum glauben.

Infoseite: der Shitstorm beginnt

Infoseite: der Shitstorm beginnt

Der Shitstorm geht gleich weiter

Erste Reaktionen

Erste Reaktionen

Auch andernorts wurde so mancher schon auf die Umgangsformen des besagten Herrn aufmerksam (der Screenshot im Hintergrund stammt von der Seite der FPÖ Traismauer)

"krankes Arschloch"

„krankes Arschloch“

Kübelkind

Kübelkind

Aber jetzt mal im Ernst, wie funktioniert denn die Kommunikation in der Partei. Hat Herr R. das Memo von der letzten Pressestunde des Chefs nicht erhalten?

Jeder anständige Mensch, und das ist keine Frage von Herkunft und Kultur, ob jemand anständig ist, gibt’s kein Problem in Österreich, und wenn Menschen anständig hier auch einer Arbeit nachgehen, und Steuern zahlen, und entsprechend sich auch an die Gesetze halten, und in Folge auch sich integrieren und sich zu ihrer neuen Heimat Österreich bekennen, gibt’s ja kein Problem.

Wir sagen, da wollen wir für die Menschen da sein, nämlich für anständige Österreicher genauso wie für anständige Menschen, die zugewandert sind und sich an die Gesetze halten.

Und das ist nicht neu, denn so lautete es im Sept. 2010:

Ich danke allen anständigen Menschen, die es zu etwas gebracht haben, sich etwas aufgebaut und etwas geleistet haben

Denn „es gibt Anständige, und es gibt auch Unanständige“. „Wir sind für jeden Zuwanderer, der Deutsch kann und einer geregelten Arbeit nachgeht.“

Besonders bemerkenswert erscheint uns, dass das anstößige Posting diesmal besonders schnell in den Medien landete: Format behandelt ein „angebliches Posting“ und wahrt die Möglichkeit eines Fakes, daStandard titelt „Unser Schlamm für unsre Leut„, kurier.at spricht von Eklat, und auf derStandard entschuldigt man sich schon:

Der Ortsparteichef distanziert sich allerdings von dem Eintrag, der von einem seiner Parteikollegen gemacht worden sei. Schuller selbst habe ihn wieder gelöscht. Als erste Konsequenz habe man dem Verursacher nun die Administrator-Rechte für das soziale Netzwerk entzogen. Ob es weitere Konsequenzen geben wird, werde erst bei einem runden Tisch und in weiterer Folge auch mit der Landespartei besprochen. „Ich kann mich als Parteiobmann nur entschuldigen“, sagt Schuller und fügt hinzu: „Der Eintrag entsprach nicht meiner Auffassung, was die katastrophale Lage zum Hochwasser betrifft.“

Und was ist jetzt ein Kübelkind?

Das Wiener Mundart-Glossar meint:

Bånkert mhd.banchart ein auf der Bank gezeugtes (uneheliches) Kind > Bastard  > Kübelkind, schlecht erzogen, 

enthält das gesuchte aber nicht als Stichwort.

Andernorts wird erläutert

Was ist ein Kübelkind?
Am Anfang steht der Witz von der aufgezogenen Nachgeburt. Eine Nachgeburt ist zum Wegwerfen, nicht zum Aufziehen. Und damit fängt Kübelkinds Unrechtssituation an.

Aha. Na jedenfalls nichts, was man irgendwie als positiv gemeint deuten kann.

Danke, werte Partei, dass ihr solche Leute fördert.

Nachtrag

Mittlerweile ruft auch die Türkische KULTURgemeinde ihre Mitglieder auf, den Hochwasseropfern zu helfen.

Weiters berichten die TT und Presse vom nächtlichen Vorfall.

Und der FP NÖ LT-Abg Waldhäusl schreibt:

In einer Krise, wie sie derzeit in Österreich vorherrscht, dümmliche Aussagen zu tätigen, anstatt über jede helfende Hand froh zu sein, spricht für sich selbst. Ich möchte betonen, dass es sich dabei aber um die Einzelmeinung eines Parteifunktionärs und nicht um jene der Partei handelt. Ich distanziere mich entschieden von diesen ausländerfeindlichen Ansagen, diese haben in der FPÖ nichts verloren.

Ein herzliches Dankeschön auch an dieser Stelle an die muslimische Jugend in Österreich für deren Aufruf, den Betroffenen der Hochwasserkatastrophe beizustehen und mitzuhelfen!

Nachtrag

News schreibt Die Traismaurer Freiheitlichen nutzen sogar die Flut für Islamfeindlichkeit und auf krone.at wird beim Artikel mit dem Titel Fremdenfeindliches Flut- Posting der FPÖ sorgt für Wirbel bezeichnenderweise das Forum geschlossen:

Da in den Storypostings keine sinnvolle Diskussion mehr
stattgefunden hat und gegen die Netiquette verstoßende Postings überhandgenommen haben, sehen wir uns gezwungen, das Forum bis auf Weiteres zu deaktivieren.

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3 Antworten zu Über die Hochwasserhilfe

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