Über die Realitätsverweigerung

Es hätte alles so schön enden können: Jemand baut an Schas, wie wir so gerne hinter vorgehaltener Hand formulieren, erkennt dann seinen Fehler, drückt sein Bedauern aus und bittet um Entschuldigung, die ihm gerne erteilt wird.

Wie wir alle uns das eben wünschen täten.

Issabanicht!

In der wirklichen Welt läuft das nämlich so ab:

Einer schreibt um Mitternacht, was er sich denkt, und andere tun das gleich schirmschießen, wie hier oder hier oder hier festgehalten.

Auf die Frage nach dem allgemeinen und speziell dem geistigen Wohlbefinden hagelt’s „Koffer“ und „Kübelkinder“.

Am Morgen ist das Posting verschwunden, und das Profil deaktiviert.

Am Nachmittag schreitet dann das Aufräumkommando zur Tat, und verkündet

„Die FPÖ Stadtgruppe Traismauer stellt hiermit fest, dass der Verfasser des inakzeptablen und naiven Eintrages auf unserer Facebook-Seite zum Unterstützungsaufruf einer Jugendorganisation zur Mithilfe bei der Bewältigung des desaströsen Hochwassers in Österreich seine Äußerung mit dem Ausdruck des tiefsten Bedauerns zurückgezogen hat und sich bei all jenen entschuldigt, die er mit diesem letztklassigen Eintrag beleidigt hat. Die FPÖ Traismauer stellt weiters klar, dass bei dieser Hochwasserkatastrophe alle helfenden Hände willkommen sind und der Dank allen Helfern gilt, die versuchen, das Ausmaß dieser Umweltkatastrophe abzuschwächen.“

Doch die dortigen Kommentatoren wagen zu zweifeln.

Um so eine Aussage auf einer derart öffentlichen Plattform „zurückzunehmen“ braucht es mehr als nur eine kleine Entschuldigung. Sollte diese ernst gemeint sein, ist ein offizieller Parteiausschluss als Distanzierung das Mindeste!

erschreckend, dass der verfasser THOMAS RAFFETSEDER VORSTANDSMITGLIED DER FPÖ TRAISMAUER ist

jeder der diesen herren kennt, weiß dass er das nicht wirklich mit bedauern zurück zieht! auch in der partei ist dieser herr kein unbekannter!!!

Diese Entschuldigung ist genauso letztklassig wie die Politik die die FPÖ betreibt!

der verfasser dieser „entschuldigung“ soll sich in die gleiche ecke stellen in welcher der verfasser des eigentlichen beitrages steht und sich mit diesem gemeinsam schämen! mit diesem text spuckt ihr den leuten ein weiteres mal mitten ins gesicht! schande!

usw usw etc usw

Das wars?

Natürlich nicht! Der Verfasser des inakzeptablen und naiven Eintrages muss noch so tun, als entschuldige er sich, und das klingt dann so:

Die "Entschuldigung" mit Tätersuche

Die „Entschuldigung“ mit Tätersuche

Ich möchte mich in ALLER FORM für diesen Eintrag,der ja SOFORT von politischen Gegner der FPÖ aufgegriffen wurde,MEHR ALS ENTSCHULDIGEN.
Ich hatt jetzt ein sehr INTENSIVES und auch FREUNDSCHAFTLICHES GESPRÄCH mit dem Organisator der MJÖ(Muslimischen Jugend Österreich) Herrn Marawan Mansour,und WIR BEIDE WERDEN AUCH WEITER IN KONTAKT BLEIBEN.
Dass der oben angeführte Text von mir:“Ich denke die Österreicher kommen sehr gut ohne euch zurecht,und das in jeder Hinsicht“ … von mir in einem GANZ anderen Zusammenhang gemeint war(nämlich zur derzeitigen Situation,und der Hilfe) und ABSOLUT KEINEN RASSISTISCHEN HINTERGRUND von mir hatte,haben wir eben an Handy besprochen.UND ER SAH DASS EBENSO.Und auch auf der FPÖ-Traismauer Seite war es nicht anders gemeint.

Es verwundert wohl niemanden, dass der Verfasser des inakzeptablen und naiven Eintrages in Wirklichkeit nicht der Täter ist, sondern ebenfalls ein Opfer, das

seit erscheinen PERSÖNLICH,über FB,per Mail und auch über SMS von Menschen mit MORD bedroht werde.

ICH und auch die FPÖ-Traismauer(wo ich meine Admin Rechte zurückgelegt habe) distanziere(n) mich(sich) von jeglichem RASSISMUS und FREMDENHASS…so,wie es mir (uns) angedichtet wird

Der MJÖ und seinem Organisator Herrn Marawan Mansour,für die Hochwasser Hilfe wünsche ich alles erdenklich gute und möglichst eine große Gruppe um zu helfen.

Nachdem unser Kurzzeitgedächtnis länger hält als das eines Goldfisches, erinnern wir uns noch an die gestrige Aussage

Der Ortsparteichef distanziert sich allerdings von dem Eintrag, der von einem seiner Parteikollegen gemacht worden sei. Schuller selbst habe ihn wieder gelöscht. Als erste Konsequenz habe man dem Verursacher nun die Administrator-Rechte für das soziale Netzwerk entzogen.

Wir haben also das Match „Entziehen“ gegen „Zurücklegen“, und das Ratespiel „wer ist das wahre Opfer“.

Und wer sich das Profil dieses Herrn ansieht, wird wohl nie auf den Gedanken kommen, es könnten hier RASSISMUS oder FREMDENHASS geschürt werden.

Immerhin hat man sich rechtzeitig zum Redaktionsschluss der Nachrichten (7 Tage!) auf eine Sprachregelung geeinigt. Und die lautet

Die Bundes-FPÖ will auf Nachfrage keine Stellungnahme zu dem Thema abgeben.

Martin Glier, Leiter der FPÖ-Pressestelle im Parlament, gibt bei telefonischer Nachfrage an, er könne die Aufregung nicht nachvollziehen, wenn der, Zitat

„47. Zwerge von links etwas postet“

Der FP-Landesparteisekretär von Niederösterreich verurteilt das Posting, wichtig sei der Autor aber nicht.

„Das ist ein Mitglied, er hat keine spezielle Funktion in der Partei, hat halt Administratorrechte, sogenannte auf dieser Facebook-Seite, die ihm im Übrigen bereits entzogen wurden.“

Stellt sich die Frage, wie so ein „Zwerg“ zu Adminrechten einer offiziellen FPÖ-Seite kommt. Ganz einfach, er ist nicht nur einfaches Parteimitglied, sondern Vorstandsmitglied der FPÖ Traismauer, Thomas Raffetseder.

vorstandsmitglied

Im Rest der Sendung kündigt der Parteiobmann der FPÖ Traismauer an, die Notbremse und die Konsequenzen zu ziehen, und sieht die Möglichkeit des Parteiausschlusses.

Herr Glier scheint auch sonst eine entspannte Haltung zu dem Vorfall einzunehmen

@MartinGlier

@MartinGlier

Als Teil der Abwehr- und -lenkungsstrategie muss auch der Chef ein Machtwort sprechen. (Es ist 21:45, und die Spätnachrichten sind schon fertig verpackt)

Chef spricht

Chef spricht

Ist jemand überrascht, dass „die Medien“ schuld sind? Aufzeigen bitte. Aha, eh keiner.

Wie können es „diverse Medien“ (Plural) nur wagen, dass sie etwas „künstlich hochzieht und skandalisiert“ (Singular)?

Und wir müssen unser Wörterbuch updaten, was die Begriffe „großes Bedauern“ (scharfes ß) und „Entschuldigung“ und „umgehend“ betrifft. Die Schelme, die.

Grüner Zwerg

Grüner Zwerg

Anscheinend gibt’s die Position des 47. Zwergs in mehreren Parteien. Oder wir haben wieder etwas durcheinandergebracht.

Keine Funktion, umgehend, mit Bedauern

Keine Funktion, umgehend, mit Bedauern

Langsam fragen wir uns wirklich, ob dieser Herr

  • es nicht besser weiß
  • nicht besser informiert wird
  • das auch glaubt, was er von sich gibt

Nicht jeder mag es eben, dass

wir abermals auf Grund unqualifizierter Aussagen diverser Funktionäre völlig zurecht durch den Dreck gezogen werden

Denn es ist nicht cool getrieben durch eigene Egozentrik sein Ego mittels verbalen Entgleisungen zu befriedigend, es ist eine Schande für die gesamte FPÖ!

Ja, und die bösen Schmutzkübelkinder machen sich wieder darüber lustig!

In der Zwischenzeit hat auch Herr Mansour seine Sicht der Dinge dargestellt

Mansour: endgültigen Klarstellung

Mansour: endgültigen Klarstellung

Im Bezug auf das gestrige Posting von Herrn Raffetseder von der FPÖ, in welchem er diverse Aussagen in meinem Namen getätigt hat, zur endgültigen Klarstellung:

Hiermit weise ich darauf hin, dass das von Thomas Raffetseder von der FPÖ, gestern am 4. 6. 2013 auf seiner FB-Seite gepostete Gesprächsprotokoll zwischen ihm und mir so nicht stattgefunden hat. Vielmehr habe ich ihn darauf hingewiesen, dass er seine Aussagen selbst und als Vortandsmitglied für seine Partei zu verantworten habe.

Da von besagtem Profil nur dieses eine Posting allgemein sichtbar war, erbaten wir vom MJÖ die Bestätigung der Authentizität, die prompt erfolgte:

Bezugnehmend auf Ihre Fragen bzgl. Herrn Mansour möchten wir Ihnen mitteilen, dass es sich tatsächlich um den Pressesprecher der Hochwasseraktion der Muslimischen Jugend Österreich handelt. Mit seinem Posting hat Herr Mansour seine Position zum Gespräch öffentlich dargestellt.

Also einmal ganz ehrlich

Würde uns jemand eine Geschichte erzählen von einem Mann, der Administrator und Vorstandsmitglied ist, gleichzeitig aber unbedeutend und nichtszusagen habend, der Leute beschimpft, dies aber nicht rassistisch oder fremdenhassend meint, und dann eine Entschuldigung erfindet, die aber nie stattgefunden hat,

wir würden es nicht glauben!

Wie ging’s weiter?

Die MJÖ bedankt sich für die Unterstützung

Die Muslimische Jugend Österreich möchte sich auf diesem Wege für die Tausenden Solidaritätsbekundungen im Zuge der Schmähungen von rechter Seite bedanken! Die MJÖ zeigt sich bestürzt über den Ausbruch islamfeindlicher Hetze auf Kosten der Betroffenen der Hochwasserkatastrophe. „Tausende Emails, Anrufe und Zusprüche von Menschen haben uns gezeigt, dass Islamfeindlichkeit von weiten Teilen unserer Gesellschaft abgelehnt wird“

und die FPÖ Telfs versucht, die FPÖ Traismauer aus dem Dauerfeuer zu nehmen – mit einer eigenwilligen Taktik

Liebe Migranten, anstatt zu Demonstrieren hättet ihr Lieber beim Aufräumen geholfen.  (Quelle)

Liebe Migranten, anstatt zu Demonstrieren hättet ihr Lieber beim Aufräumen geholfen.

Ja, auch mit einer eigenwilligen Rechtschreibung.

Übrigens ist die Facebook-Seite der Telfser FPÖ heute zufällig nicht erreichbar.

Auch die anderen Spaßvögel aus Niederösterreich können’s einfach nicht lassen

Lichtenwörth und das linke Gesockse

Lichtenwörth und das linke Gesockse

Die Linken sind schuld, und die Medien, dass bei den Rechten nur Rechte rumlaufen. Wenn das die Großeltern wüssten.

Was man von anderen Wählern hält?

Hilfssheriffs und Intelligenzbolzen

Hilfssheriffs und Intelligenzbolzen

Wenn das die Großeltern wüssten! Vor allem die Großeltern der Minderheit, die nichts ihren Großeltern zu verdanken hat.

Da Fraunz hat übrigens einen Hinweis, wer an all dem Schuld ist:

Des Hochwossa ziagt vom Auslaund eina

Des Hochwossa ziagt vom Auslaund eina

Nachtrag

Medien berichten wieder.

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4 Antworten zu Über die Realitätsverweigerung

  1. Ceit J. Sturm schreibt:

    Gut geschrieben, gut zusammen gefasst.
    Ich hoffe ja irgendwie, dass das Thema damit beendet ist, und dieser nette Herr mit der korrekten Rechtschreibung bitte seinen Hut nimmt und der Politik den Rücken kehrt (so wie jedem anderen Menschen, der nebst dem aufrechten Gang alle Errungenschaften der Menschheit mit seinem Gehirn verarbeiten und wiedergeben kann, ohne dabei Schande über den restlichen Teil unserer Spezies zu bringen.)
    Diese Geschichte finde ich mehr als bedauerlich, und jeder Rechtfertigungsversuch seitens der FPÖler war einfach verlogen, da man jedes Mal die Ernsthaftigkeit dieser Aussagen anzweifeln musste.

    Und was ich gerne anmerken möchte: Man sagt heute gerne „Ich entschuldige mich.“ – doch im Grunde ist dies nicht möglich. Kein Mensch kann SICH entschuldigen. Jemand anders kann eine Entschuldigung annehmen, und verzeihen. Man entschuldigt andere, und nimmt somit die „Schuld“ durch das Verzeihen von ihm. Das ist die ursprüngliche Bedeutung von „sich entschuldigen“ – Heute entschuldigt sich zwar jeder, und es ist so üblich, dass man sich nun mal für sein zu spät kommen „entschuldigt“, sich „entschuldigt“ für den Furz der einem entwichen ist, und sich für falsche Aussagen „entschuldigt“…. eine „Entschuldigung“ annehmen muss jedoch früher wie heute das Gegenüber. Stillschweigend und daher selbstverständlich möchte man meinen, doch ich finde es sehr schade, dass inzwischen vergessen wurde, dass jemand anders die Fehler verzeihen muss.
    Nicht man selbst erklärt seine eigenen Fehler für unbedeutend und vergessen. Es ist nicht selbstverständlich Verzeihen zu erhalten. So etwas verdient man sich.
    Also liebe Blauen: Fangt an, euch das „Verzeihen“ zu verdienen.

  2. Bernd Lauert schreibt:

    >schirmschießen
    >Posting
    Komputiert nicht.

  3. Pingback: Nachtrag: Traismauer | Dominik Lagushkin

  4. Pingback: Über U-Haft, Strafvollzug, und Selbstdemontage | Dominik Lagushkin

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