Über widerlegte Zitate

Irgendein Mann aus der Schweiz, von dem das Internetz behauptet, er wäre ein Rechtsextremist und ehemaliger Neonazi, der eine rechtsradikale Partei ebenda gegründet hatte (die sich die FPÖ als Vorbild aussuchte, was auch auf der Nichtparlamentsseite gern gesehen war, auf der Anderen aber nicht, der aber trotzdem nur eine wenigmonatige Existenz gegönnt war), weil er sich möglicherweise in der PNOS (wo andere ihre „Studien“ abliefern) langweilte, dieser Mann also klatscht folgenden Sinnspruch auf seine Wand:

Bill Cosby: "Ich bin es leid". "Interessante Aussage"

Bill Cosby: „Ich bin es leid“. „Interessante Aussage“

Ich bin es leid zu lesen und zu hören, dass der Islam eine „Religion des Friedens“ sei, wenn ich jeden Tag dutzende von Geschichten lese.

Über muslimische Männer, die ihre Schwestern, Ehefrauen und Töchter der „Ehre“ wegen töten;

Von (heftigen) Ausschreitungen der Muslime bei geringsten „Vergehen“ (gestürmte Botschaften usw.);

Muslime ermorden Christen und Juden, weil sie „Ungläubige“ sind;

Muslime steinigen jungendliche Vergewaltigungsopfer (!) zu Tode für „Ehebruch“;

Muslime verstümmeln den Genitalbereich der Mädchen, im Namen Allahs, weil der Koran und die Scharia es ihnen befiehlt zu tun.

(Wir hoffen, alle orthographischen Auffälligkeiten unverändert übernommen zu haben, ebenso wie den Übergang von der Aneinanderreihung von Relativsätzen und Hauptsätzen, sowie den holprigen Schlusssatz.)

Drei Hinweise, dass das „Zitat“ möglicherweise eher sicher nicht authentisch sei, wurden gerne ignoriert

Zitat? - Mir doch wurscht!

Zitat? – Mir doch wurscht!

Wie dem auch sei, die Unbelehrbaren sterben nicht aus, und unter den 113 Spaßvögeln, die das Spaßfoto prompt „geteilt“ haben, findet sich auch die von Hobby-Kabarettisten unterwanderte Außenstelle Heidenreichstein:

Heidenreichstein: WAHNSINN! Ja, genau.

Heidenreichstein: WAHNSINN! Ja, genau.

Ein dortiger Kommentar blieb ungehört, bzw. -gelesen. Immerhin wurde nix gelöscht.

In der Abteilung Urban Legends von about.com findet sich die bekannte Geschichte dieser Aussage:

Description: Forwarded email / Viral text
Circulating since: Sep. 2011 (this version)
Status: Falsely attributed to Bill Cosby

Laut der dortigen Schilderung ist die „Beschreibung“ des Islam nur ein Teil dessen, wes der Schauspieler leid sein soll, wäre es denn tatsächlich die seine. Und selbst dieser Teil ist gekürzt – wahrscheinlich würde die Texttapete das schöne Foto komplett überschreiben, und der Wiedererkennungswert warat dahin.

Im Gegensatz zu anderen hier behandelten Zitaten dürfen wir uns nicht nur daran erfreuen, dass der vermeintliche Ziteur noch am Leben ist, nein, er hat sich auch diesbezüglich bereits geäußert:

There’s an email floating around – entitled “I’m 76 and tired” – purportedly sent by me. I did not write the email, I did not send the email, I’m not 76, and I don’t subscribe to the ugly views expressed in the email. We are coming up to an important anniversary on Sunday, which is a day when we should all come together. Whoever wrote this email is not thinking about our country, or what is important. If you get the email, it’s time to hit DELETE.

Ach könnten wir manchmal doch das Fesbuch so einfach löschen!

Nebenbei bemerkt hat Herr Cosby kurz davor mit der Idee einer „muslimischen Cosby-Show“ geliebäugelt, aus der möglicherweise nichts geworden ist.

Andererseits, die Idee hatten auch schon Andere.

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2 Antworten zu Über widerlegte Zitate

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