Über die Türkenhatz

Nur weil man ankündigt, sich aus der Politik zurückzuziehen um sich mehr dem Privatleben zu widmen  (und auch den zu erwartenden Gerichtsverfahren), das unter dem  „Dauerfeuer der Medien“ leide, heißt das noch lang nicht, dass man nicht am nächsten Tag im, wenn schon nicht eigenen, so doch „nahestehenden“, „Medium“ das bestehende Dauerfeuer gegen eine nichtnationalratspräsidentische Volksgruppe fortzusetzen:

Wiener SPÖ schickt linke Türkin in den Nationalrat

Die unheilige Dreifaltigkeit (Frau, links, Türkin) sorgt auf rechter Seite für einige Aufregung, sind ihre bisherigen Errungenschaften als „Ottakringer Bezirksvertretung“ bzw. Abg. zum Gemeinderat doch allgemein bekannt:

Gemeinsam mit ihrer Parteigenossin Stadträtin Sandra Frauenberger ist sie hauptverantwortlich für die verfehlte Zuwanderungspolitik in Wien.

Eine heimliche Powerfrau, was heißt (!), eine personifizierte Machtzentrale also, von der andere frauenverherrlichende Parteien nur träumen können.

Nachdem sich also nicht mehr verheimlichen lässt, dass in den letzten paar Jahren ein paar Türken ins Land gezogen sind, müssen die Warnhinweise an jeder Ecke angebracht werden.

Man hat vor, die Hetze der letzten Jahre auf die Spitze zu treiben.

Erst im Februar d.J. wurde Kaiser Pröll gewarnt

„Die Pröll-ÖVP wirft ihre christlich-sozialen Werte über Bord, damit der Verlust der Absoluten irgendwie noch verhindert werden kann“

Die Gründe für die Sorge sind klar:

„Immerhin war es Yilmaz, der federführend als Projektleiter beim Moschee-Bau der ATIB in Bad Vöslau wirkte“

„Die ÖVP will Zustände wie in Wien haben und die Bildung von muslimischen Gegengesellschaften fördern“

weil nämlich a) Moschee = böse und b) Landtagsabgeordneter = Gegengesellschaft.

So sieht das Gesellschafts- und Politikverständnis der Partei aus, in der der Geliebte Führer ungestraft vorgeben darf

Er sei da für „anständige Österreicher wie für anständige Menschen, die zugewandert sind.“

denn wer anständig ist, und wer nicht, bestimmen immer noch wir. Oder sie. Oder Er.

Allahs Segen hat Herrn Pröll zwar die Absolute erhalten, der Kandidat errang dennoch kein Mandat. Hätten die Fleißigen und Anständigen auch auf „jedes Mittel“ gesetzt, wäre ihnen eventuell eine Schlappe erspart geblieben, wer weiß.

Man muss sich schon richtig von den Gegengesellschaftsparteien umzingelt sehen, denn, wie’s scheint, nominierte schon jede andere Partei einen türkischen Kandidaten, wenn auch an unwählbarer Stelle

BZÖ präsentiert türkischstämmigen Kandidaten auf aussichtslosem Listenplatz (2005)

Droht Telfs ein türkischer Gemeinderat? (2010)

Die armen Telfser:

Denn wie bereits durchgedrungen ist, führt dieser einen extremen (!) Vorzugsstimmenwahlkampf

Ist dies der Fall, so hat Hr. Tekcan einen Fix-Platz im Gemeinderat. Und wo einer ist, folgen mehr! Der Wähler wird entscheiden, ob diese Entwicklung zu unterstützen ist.

die sich dann auch entschieden haben.

Die Themenwahl überrascht uns dabei aber eh nicht, denn es war schon 2005 so, und 2008 auch, und 2013 wieder, denn manche haben eben garkeine anderen Themen, aus denen sie ein anderes wählen könnten.

Da seine Gefolgschaft regelmäßig mit dem einen oder anderen Happen bei Laune gehalten werden muss, verwundert es uns kaum, als Meister Pawlow am letzten Sonntag die Erkenntnis verlautete

Türken- und Islamismusproblem

Türken- und Islamismusproblem

und die rasende Menge beiderseits des Bosporus ihre Reflexe absondern durfte.

Allerdings wurde das vorgegebene Thema gelegentlich außer Acht gelassen, und die Erörterung des „Islamismusproblems“ trat eher in den Hintergrund

Kein Ausländerwahlkampf

Kein Ausländerwahlkampf

Und während der einzigste, besteste und ewigste KanzlerkandidatderHerzen mit einem Einzeiler für einen inhaltsreichen freien Tag sorgte

4000 Likes, 2300 Kommentare

4000 Likes, 2300 Kommentare

genoss ER einen „gemütlichen Sonntag“

"Gemütlicher Sonntag"

„Gemütlicher Sonntag“

Facebook wurde es übrigens irgendwann zu blöd, und löschte den Eintrag

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Auch die Blutgruppe berichtete.

 

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3 Antworten zu Über die Türkenhatz

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