Über die Märchenprinzen

Die regelmäßige, „Wahlkampf“ genannte Belästigung unbescholtener Bürger durch diverse wahlwerbende Organisationen, wenngleich auch die Regelmäßigkeit zuletzt auf eine quinquenniale Frequenz reduziert wurde, was uns seltener Gelegenheit gibt, einmal so ordentlich unsere Meinung zu sagen, stagniert also schon auf hohem Niveau, und die erwähnten Parteien geben sich alle Mühe, die von uns hellseherisch vorhergesagten Peinlichkeiten permanent zu übertrumpfen.

Der jüngste Geniestreich wurde „Mein erster Freund“ getauft, und hört und sieht sich so an:

Die Kommentare zum Video wurden leider deaktiviert, aber im Diskussionsforum des Channels mit dem schönen Namen „Anna Berger“  darf man noch mit der jungen Dame um den Traumprinzen streiten.

Der Kreativdirektor, der das Mädchen mit dem verstörenden Augenmakeup über den Actimel-Tröpferl-Jingle säuseln lässt, hat dem Herrn Bumsti aber ganz schön was aufgehalst:

  • einzigartig, ein ganz besonderer Mann
  • attraktiver Mann mit strahlend blauen Augen (wer will eine graue Maus?)
  • kein Sesselkleber, kein Macho, zuhören können, einfühlsam, nicht abgehoben
  • geborgen und zu Hause fühlen
  • ehrlich sein
  • bodenständig und traditionell, gleichzeitig zukunftsorientiert und modern
  • Herz für Kinder und Familie
  • Respekt und Anerkennung
  • gemeinsame Zukunft bestreiten
  • vertrauen können

Man bräuchte wohl durchschnittlich 5 Männer, um all die Anforderungen zu erfüllen. Abgesehen davon, dass die Schwiegereltern möglicherweise nicht so ganz begeistert sein könnten.

Und noch weiter abgesehen davon, dass die Figur der impersonierten Jungwählerin sich von der Figur eines impersonierten Altpolitikers gewaltig täuschen lässt. Oder vorsätzlich täuschen soll. Also alle Verantwortlichen alle Rezipientinnen täuschen lassen wollen.

Vielleicht überrascht das jetzt den einen oder die andere, aber ein Mann, der über Jahrzehnte hinweg gleich jugendlich aussieht, oder auszusehen vorgibt, ist entweder eine literarische Kunstfigur, oder hat Glück und kennt wem, der was wem kennt, der sich mit der Erstellung digitaler Kunstfiguren beschäftigt.

Gut, wir müssen es nicht gleich in dem Ausmaße übertreiben, wie es die geschätzte Blutgruppe jüngst vorführte, als sie bei der Photoshop-Entfesslung die Regler ein bissal zu sehr auf 180 drehte:

Blutgruppe: wenn die Freiheitlichen nun doch endlich mal ein aktuelles Foto vom Bumsti verwenden würden

Blutgruppe: wenn die Freiheitlichen nun doch endlich mal ein aktuelles Foto vom Bumsti verwenden würden

Nein, es würde schon reichen, aktuelle und nicht ganz so aktuelle Fotos herzunehmen, die es ganz ohne künstliche Zusatzstoffe an das Licht der Öffentlichkeit geschafft haben, wobei uns eine einfache Weltnetzbildsuchabfrage helfen soll

Traumprinz: attraktiv, strahlend blaue Augen

Traumprinz: attraktiv, strahlend blaue Augen

die uns auf Anhieb ein paar Abbildungen lieferte.

Wenns um das Thema „Vertrauen“ geht, dann ist auch hier noch ein weiter Weg durch die Wüste Gobi zu gehen, und zwar bergauf, mit Wasser oder ohne, und mit schwerem Marschgepäck.

derStandard 12.3.'10

derStandard 12.3.’10

nachrichten.at 17.4.'10

nachrichten.at 17.4.’10

derStandard 14.10.'11

derStandard 14.10.’11

oe24.at 20.5.'11

oe24.at 20.5.’11

nachrichten.at 22.12.'12

nachrichten.at 22.12.’12

nachrichten.at 18.5.'13

nachrichten.at 18.5.’13

Wir waschen unsere Hände in Unschuld, denn wir haben diese Zahlen nicht erfunden. (Quellen in Graphiken angegeben)

Das Thema Macho und Respekt wurde auch erst jüngst thematisiert, etwa anlässlich des lustigen Hasen-Postings auf Facebook. So sind sie lämnich, die Medien, stürzen sich auf das kleinste Krümelchen, nur um jemanden schlecht dastehen zu lassen.

Und an sich ist uns das Privatleben von öffentlichen Personen ja ziemlich egal, solang es unter der Tuchent bleibt, und jeder soll wie er glaubt, aaaaber wenn jemand irrender Weise des anderen „Herz für Kinder und Familie“ lobt und mit demjenigenwelchen die „gemeinsame Zukunft bestreiten“ will, dann sollten wir diejenigewelche Jungschwärmerin schon auf ein Interview (in doppelter und dreifacher Abschrift) mit der werten Exfrau hinweisen, das sie einer Tränendrückermannschaft gewährt hat.

Und dort stünde dann zu lesen

Keine Zweisamkeit, keine Gespräche. Ich war zu oft alleine.

Er hat auf jeden Fall mehr Party gemacht als ich.

Die Kinder waren nichts anderes gewohnt.

Als ich das Plakat „Deutsch statt nix versteh’n“ sah, war ich wirklich erschüttert!

Aber Frauen brauchen auch was fürs Herz.

und noch mehr Grausigkeiten.

Abschließend weisen wir noch darauf hin, dass alles hier geschreibene völlig aus dem Zusammenhang gerissen wurde

und zwar „ganz bewusst“.

Und noch abschließender fanden wir in der Community den Hinweis, dass die Frau Berger die Idee zu ihrem Video von einer Ausländerin gestohlen hat, die aber noch viel weniger zu sagen hat als die wienerblütige:

Des wird wohl nix mehr.

Nachtrag 14.7.’13

Der blauen Gemeindeaufsicht gefällt das Werk der blauen Kampagnentäter dermaßen gut, dass sie es am 12.7. und am 14.7. auf der blauen Propagandaseite verlinkte.

Und solange die Administratoren vom Geheimdienstchef persönlich gesperrt sind, sind die dort hinterlassenen Kommentare auch unzensuriert abrufbar.

 

Nachtrag 16.7.’13

Der Propagandaassistent des Mannes, der lieber Wahlen als Umfragen gewinnt, aber beides nicht tut, weil er ja nicht zur Wahl gestanden ist, freut sich regelmäßig über dazu“gewonnene“ Fans, wie zuletzt

"Gemeinsam schaffen wir es." Aber was genau?

„Gemeinsam schaffen wir es.“ Aber was genau?

und schickt die Rasselbande in Kindergartenmanier aus, um in einer Online-Umfrage (wie wir wissen, noch viel repräsentativer als Meinungsumfragen und Fan-Anzahlen) sein Video als Peinlichstes bestätigen zu lassen:

"Fleißig voten"

„Fleißig voten“

Das Soschälmidia-Team hat wohl Das Handbuch nicht gelesen, in dem es auf Seite 257 heißt:

Wir Freiheitlichen lehnen die Beugung unserer Sprache durch den völlig überzogenen Einsatz fremdsprachiger Ausdrücke ab. Öffentliche Institutionen sollen daher ganz besonders darauf achten, sich unserer Muttersprache zu bedienen. Die Neigung, ja Beflissenheit, fremdsprachliche Ausdrücke — vor allem Anglizismen — zu verwenden, ist ein Mangel an Selbstbewusstsein.

Die österreichischen Medien, allen voran der ORF als öffentlich-rechtliche Sendeanstalt, nehmen eine verantwortungsvolle Schlüsselrolle ein und sind deshalb verpflichtet, die wichtige Aufgabe der Pflege unserer Sprache umzusetzen. „Prime Time“ und „ZIB Flash“ sind peinliche Versuche, sich „modern“ zu geben.

Wenn man also „voten“ statt „abstimmen“ formuliert, liegt das in einschlägigen Kreisen nur am mangelnden Selbstbewusstsein, liebe Online-Redakteure, und das ist peinlich und verantwortungslos!

Nachtrag

Die Freunde der Tagespolitik waren so frei, das Video zu kommentieren:

"Mein erster Freund": Deleted Scenes

„Mein erster Freund“: Deleted Scenes

Wer kommt zuerst?

Wer kommt zuerst?

 

 

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5 Antworten zu Über die Märchenprinzen

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