Über die Netzsperren

In den letzten Tagen war es wirklich ungewöhnlich ruhig, verdächtig ruhig, unheimlich ruhig.

Zum letzten Mal postete der ewige Bunderkanzlerkandidatendarstellerderherzen am 30.6.’13, um allen seine Wampe auf den Schirm zu zaubern, und auf der Bundespropagandaseite hieß es am 8.7.’13 äußerst inhaltsarm

Euch allen einen tollen Start in eine traumhaft sonnige Woche

Euch allen einen tollen Start in eine traumhaft sonnige Woche

Es wird wohl doch ein traumhaftes Monat werden, denn es geschah das ungeheuerlichste: Der Schurke Zuckerberg hat den Herzensheinzi mirnixdirnix ausgesperrt.

Und wenn schon die Soschlmidia-Propagandamaschinerie bröselt, so muss die klassische Aussendungspropagandamaschinerie herhalten, und hier wird Garn gesponnen, der dem Fass die Balken ausschlägt, auf dass die Krone überläuft.

Facebook sperrt Strache-Profil nach Kritik an US-Überwachung

HC Strache ist der mit Abstand beliebteste österreichische Politiker im sozialen Netzwerk Facebook. Mehr als 135.000 Nutzer haben bei seinem Profil bisher auf „Gefällt mir“
geklickt. Umso bedenklicher ist es, dass der Facebook-Konzern Strache seit Kurzem mit Sperren belegt und ihm so die Möglichkeit nimmt, auf diese Weise mit seinen Anhängern zu kommunizieren. Hintergrund dieser Einmischung in den österreichischen Wahlkampf ist nicht etwa ein Verstoß gegen Nutzungsbedingungen, sondern offenbar die „Wahrung amerikanischer Interessen„.

Ohne die Angabe eines Grundes wurde Strache für 30 Tage die Möglichkeit genommen, Beiträge auf seinem Facebook-Profil zu veröffentlichen. Gleichzeitig verschwanden zwei Einträge von der Seite, die sich kritisch mit dem von Edward Snowden aufgedeckten Spionage-Skandal auseinandersetzten: Straches diesbezügliche Rede im Plenum des Nationalrats sowie eine Presseaussendung, in der er die lückenlose Aufklärung der Vorgänge forderte.

„Facebook geriert sich hier als Verteidiger des überwachungswütigen US-Imperiums und belegt somit selbst, dass jeder Argwohn gegenüber US-amerikanischen Internet-Giganten berechtigt ist, was den mangelnden Datenschutz und die Überwachung der Nutzer betrifft“, stellt dazu FPÖ-Generalsekretär NAbg. Harald Vilimsky fest und fordert die Verantwortlichen auf, Straches Facebook-Profil umgehend wieder freizuschalten.

Wer hätte das gedacht: die Ennessäh überwacht den Ersten Freund auf Yutub und auf Fäsbuck, und kaum taucht das Wort Snowden auf, ruft der Ennessäh beim Zuckerberg an, und sagt: „Sofort sperren. Am besten lebenslang.“ – „Aber das geht nicht. Wegen der Törms of Sörvis warats“. So stelln wir uns die Fäden vor, die die Macht im Hintergrund zieht.

twitter/MBrotw: was wirklich geschah

twitter/MBrotw: was wirklich geschah

Verein: Unsre Site für unsre Leit

Verein: Unsre Site für unsre Leit

Dumm auch, wenn die soziale Heimatpartei mit ihren „Anhängern“ nur über eine Website des „US-Imperiums“ zu kommunizieren vermag, statt sich selbst einen Server hinzustellen und irgendein Community-Zeugs, alles gehostet und Made in A, und vollkommen unabhängig von den Imperialisten, die sonst immer nur von StalinistenLinksextremen, und Linksfaschisten als Imperialisten bezeichnet worden sind.

Blöd auch, dass man erst viel zu spät „argwöhnisch“ geworden ist, und nicht rechtzeitig drauf gschaut hat, dass man hat, was man braucht, wenn man’s braucht, vor allem die verschüttete Milch.

Viel eher wahrscheinlich ist hingegen, dass, ähnlich wie vor einer Woche, als Facebook es für notwendig hielt, ein ganz liebes Wochenendposting des österreichischen Facebook-Obama zu löschen, es dem Zensurroboter einfürallemal gereicht hat, und die automatische Kontosperre zugeschlagen hat, nach dem Motto: Page böse => alle Admins gesperrt.

Für Die Medien ein gefundenes Fressen. Die NSA-Argumentation wird gleich mitübernommen, nur manchmal ersetzt ein Fragezeichen schüchtern den Punkt:

heute.at: Wegen Snowden? Facebook sperrt Profil von HC Strache für 30 Tage

oe24.at: Facebook blockiert Strache-Profil

Hintergrund sind zwei Einträge sich die mit der Causa Snowden beschäftigen.

kurier.at: Facebook soll Strache ausgesperrt haben

Lustiger formulieren schon

format.at: Strache fühlt sich von NSA und Facebook verfolgt

Ein Hinweis auf mögliche andere Gründe der Social-Media-Plattform sind indes unter den Nutzungsbedingungen zu finden. Dort heißt es unter anderem, „Facebook erlaubt keine Hassbotschaften, unterscheidet allerdings zwischen ernsthaften und humorvollen Botschaften. Auch wenn wir dich dazu ermuntern, Ideen, Institutionen, Veranstaltungen und Praktiken in Frage zu stellen, erlauben wir es einzelnen Personen oder Gruppen nicht, andere aufgrund ihrer Rasse, Volkszugehörigkeit, nationalen Herkunft, Religion, sexuellen Orientierung, Behinderung, ihres Gesundheitszustands oder Geschlechts anzugreifen.“ Auf dem Strache-Profil waren zuletzt unter anderem Beiträge zu „Türkischer Zuwanderung“ zu finden gewesen.

derstandard.at: Facebook: Strache nicht wegen NSA-Kritik gesperrt

In letzter Zeit ging das Unternehmen bei der Durchsetzung seiner Community-Richtlinien streng vor. Dabei setzt Facebook ausschließlich auf das Feedback seiner User. So kommt es etwa zu Sperren, wenn eine Person von anderen Nutzern gemeldet wird.

futurezone.at: Facebook sperrt Strache von eigenem Profil aus

Beim sozialen Netzwerk wird der Fall gerade geprüft. „Die Sperre gewisser Funktionen wegen US- oder Facebook-kritischer Postings kann allerdings ausgeschlossen werden“, teilt ein Facebook-Sprecher auf Anfrage der futurezone mit. Facebook sehe sich vielmehr als Plattform, wo sich Menschen über ein breites Spektrum von politischen Meinungen austauschen können. Kritische Meinungen seien nicht nur möglich, sondern durch das Kommentarsystem aktiv erwünscht. „Wenn wir jeden kritischen politischen Kommentar sperren würden, müssten sehr viele Profile offline genommen werden. Das wäre ja absurd“, so der Sprecher.

Es kommt, wie es immer kommen muss, und zum Schaden gesellt sich sein ewiger Begleiter, der Spott.

Verein: Ausländer nehmen meinen Facebook-Account weg

Verein: Ausländer nehmen meinen Facebook-Account weg

Verein: Wer kümmert sich um mein Farmville?

Verein: Wer kümmert sich um mein Farmville?

Blutgruppe: Sperren aus dem Ausland

Blutgruppe: Sperren aus dem Ausland

Blutgruppe: Wünsche traumhaftes Monat

Blutgruppe: Wünsche traumhaftes Monat

Dogfooding, die eigene Medizin?

Es sollte vielleicht nicht komplett unerwähnt bleiben, dass auch von Blauer Seite, ganz im Sinne des freiheitlichen Demokratieverständnis, gerne blockiert, gelöscht, versteckt, und gesperrt wird.

Zeugnis des Sperrunwesens sind (zumindest) die beiden Gruppen

in denen sich die aus der freiheitlichen Gemeinschaft Ausgeschlossenen über ihr bitteres Schicksal beklagen, und einander in ihrer sinnbefreiten Existenz trösten.

Die Solidaritätswellen rollen auf verschiedenen Wegen an,

Strachianer: geschlossen ein Felsen in der Brandung

Strachianer: geschlossen ein Felsen in der Brandung

(wer auch immer die Metapher „geschlossen wie ein Felsen“ erfunden hat, und „Felsen“ statt „Fels“ sagt: gratuliere!)

Bearth: Amerika zensiert HC

Bearth: Amerika zensiert HC

Ja, das ist derselbe Herr Bearth, der schon das lustige Hochwasserfoto verbreitet hat, oder den Cosby-Islam-Spruch – die Blauen stehn auf sowas, und teilen lustig weiter.

Und, last not least, Solidarität für HC Strache

Verbreitung unbequemer Wahrheit

Verbreitung unbequemer Wahrheit

Zwischenzeitlich ist bereits das erste Geständnis aufgetaucht, in dem eine Gruppe die Verantwortung für die Sperre übernimmt. Wie nicht anders zu erwarten, handelt es sich beim mutmaßlichen Täter um die Blutgruppe!

Blutgruppe: Mir warns!

Blutgruppe: Mir warns!

19Uhr17, eine geschichtsträchtige Uhrzeit

Irgendjemand, der Zugriff auf das richtige Konto hat, schreibt

Ich wünsche der Facebook-Gemeinde einen wunderschönen Abend. Ich bin wieder da!!!!

Die Stimmung im Thread erinnert ein wenig an die Schiffsexplosionsszene in Roter Oktober, aber einige können ihr Glück noch immer nicht fassen

Warum hat mir gerade einer sehr glaubwürdige Person gesagt, dass HC nach wie vor gesperrt ist? Ich bin verwirrt? HC, kannst du mich mal aufklären?

Ja, wir auch nicht.

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Facebook, FPÖ, Strache, Zensur veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

2 Antworten zu Über die Netzsperren

  1. Pingback: Über die Märchenprinzen | Dominik Lagushkin

  2. Pingback: Über die gezielte Provokation | Dominik Lagushkin

Eigenen Gedanken verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s