Über das Ausländisch der Ausländer

Manche Leute mit zuviel Tagesfreizeit können sich wirklich über jeden Scheiß aufregen, solange er sie nicht selbst betrifft.

Beliebtes Objekt der Begierde solcher Aufregung, bis hin zur Kränkung des Nationalstolzes, sind böse ausländische Wörter auf guten inländischen Produkten, wohlgemerkt im Gegensatz zu guten ausländischen Wörtern. Bei jeder identitären Abgrenzung muss man immer drauf achten, wo die feine Linie zwischen den imaginären Freunden und Feinden verläuft.

So postete die Ausländerhass-Satireseite mit dem oberflächlich verstörenden Namen Österreich hat schon genug Ausländer!! STOPPT DIE REGELRECHTE ÜBERFLUTUNG!! jüngst den Beleg für ein pöhses Wort

Lorenz Crunchips X-Cut

Lorenz Crunchips X-Cut

Wir finden folgende Sprachen vertreten:

  • „Lorenz“ – deutschländisch
  • „Crunchips“, „X-cut“ – überseeenglisch
  • „kebab z cebulką“ – polnisch

und der Gewinner heißt „„Kebab“-Chips!? Heute beim „Merkur“ gesehen.„: Türkisch!

Interessanterweise finden sich auf der österreichischen Seite des deutschen Unternehmens mit deutsch/englischsprachiger Homepage keine Kebabchips, sehr wohl aber auf der polnischen. Wenn die Überflutungsängstler wüssten, dass ihr urgemanischer Betrieb mit den urgermanischen Wurzeln auf Chips mit Afrikageschmack herstellt, wie fielen da wohl die Reaktionen aus?

Auch unbescholtene Bürger teilen ihre fremdwörtlichen Schreckensgeschichten gerne mit Gleichgesinnten

Mehmet Cola: "GEHTS NOCH?!?!?!?"

Mehmet Cola: „GEHTS NOCH?!?!?!?“

Während sich niemand an dem tätowierten Totenkopf stört, evoziert „Mehmet“ den blanken Horror.

Was wir brauchen, ist ein Boykott. Oder viele Boykotte!

Das hat ja auch damals schon geklappt, als der Untergang des Abendlandes kurz bevorstand, weil ein Milchfabrikant es wagte, auf ein Milchpackerl das Wort „Milch“ draufzuschreiben. Allerdings auf *kreisch* türkisch!

diepresse.com, 25.8.’13 Große Aufregung um „türkische Milch“ von NÖM

Zu den negativen Reaktionen in E-Mails meinte er laut der Tageszeitung: „Wir machten uns die Mühe einige Absender anzurufen. Sie stammen aus einer bestimmten Ecke.“

derstandard.at, 25.8.’13 „Türk-Milch“ der NÖM erhitzt Gemüter

In der Zentrale der niederösterreichischen Molkerei in Baden bei Wien seien zahlreiche Protest-Mails und -Anrufe eingegangen und im Internet werde bereits zum Boykott aller NÖM-Produkte aufgerufen. NÖM-Sprecherin Maria Kitzler will die Sache im Gespräch mit derStandard.at ins rechte Licht gerückt wissen: „Die Beschriftung ist auf zwei Seiten türkisch auf zwei Seiten deutsch.“

Die Patrioten verbünden sich zum Boykott (27.8.)

UNSERE BOYKOTTSEITE GEGEN DIE nömAG IST BEREITS BIS NACH SÜDAFRIKA VORGEDRUNGEN!!!!! WAS FÜR EIN ERFOLG!!!!!

der aber nur eine kurze Lebensdauer beschieden war. Forensische Analyse lassen darauf schließen, dass es sich um die URL http://www.facebook.com/home.php?ref=home#!/pages/Wir-kaufen-keine-Niederosterreichische-Milch-Produkte-mehr/112818768772646 handelte, die aber mittlerweile nicht mehr existiert. Behandelt man so Patrioten?

Der nationale Notstand wird ausgerufen, und die Milchpackerlbeschriftung via OTS zur Chefsache erklärt (28.8.)

Die FPÖ wird einen Antrag auf deutschsprachige Produktkennzeichnungspflicht im Nationalrat einbringen.

In Österreich verkaufte Produkte sollen seiner, Vilimskys, Ansicht nach auch mit Ausnahme des Produktnamens in deutscher Sprache gekennzeichnet sein.

sandte der Mann mit Namen in deutscher Sprache aus, um den Auftrag seines Chefs mit Namen in deutscher Sprache als Zeichen der perfekten Integration auszuführen.

Tasern beeinträchtigt wohl auch die Fähigkeit des sinnerfassenden Lesens, denn „Die Beschriftung ist auf zwei Seiten türkisch auf zwei Seiten deutsch.“

Völlig unabhängig und unzensuriert berichtet auch unzensuriert von den Vorgängen, und beruft sich auf die Objektivberichterstatter von – tataaaaa – SOS Österreich.

Dennoch scheint die NÖM-Idee nun mehr Schaden anzurichten, als sie Nutzen stiftet, denn zahlreiche Kunden – mobilisiert durch verschiedene Plattformen wie SOS Österreich – drücken ihr Missfallen gegenüber der Anbiederung an die Türken-Community aus und kündigen an, NÖM-Produkte künftig zu boykottieren. Im Facebook sind das schon 4100 (Stand 28.8.2010).

Sooo richtig lange kann der Boykott nicht angedauert haben, denn im Dezember wurde schon weit weniger heiß gegessen und gekocht:

derStandard:  Drei Monate nach der Aufregung um „türkische“ NÖM-Milch sei es ruhig geworden, das Geschäft laufe gut, heißt es im Konzern

Auch andere Unternehmen scheißen sich nix und werben einfach auf ausländisch

derStandard: Mit mehrsprachigen Inseraten wirbt A1 für seinen Ableger „bob“: „Türkiye ile ucuza konuş“ heißt es hier, und razgovaraj povoljno sa balkanom“, das bedeutet übersetzt: „Sprich günstig in die Türkei/in den Balkan“.

Und so kehrt Ruhe ins gebeutelte Land.

Doch es passiert, was passieren muss:

unzensuriert (1.3.’11): NÖM beschriftet auch Joghurt türkisch

Doch das Unternehmen hat aus der Schelte nichts gelernt, im Gegenteil, „beackert weiter das türkische Feld“, wie Berger Ende 2010 schon im Standard ankündigte. In den Regalen eines großen Discounters finden sich jetzt auch NÖM-Joghurtbecher, auf denen Deutsch nur noch in Kleinbuchstaben vorkommt.

Und ganz im rechten Gleichschritt

SOS-Österreich (1.3.’11): NÖM – nun auch Joghurt auf türkisch

Dankend übernommen von unzensuriert.at!

Wo soll das hinführen, wenn nicht einmal österreichische Betriebe zu den Österreichern halten? Und sogar Personal anstellen will, das auch ausländisch schreibenlesensprechen kann?

XXXLutz sucht BuchhalterInnen mit Tschechischkenntnissen

XXXLutz sucht BuchhalterInnen mit Tschechischkenntnissen

Diese Stellenanzeige geistert schon viele Jahre durchs rechte Netz, der vorliegende Fall ist mit April ’13 datiert.

Der Dialog lässt sich ungefähr so zusammenfassen:

Also Leute, mit DIESEM Inserat habt ihr euch eindeutig selbst disqualifiziert. Denn das ist eine astreine DISKRIMINIERUNG gegenüber den heimischen, deutschsprachigen Arbeitssuchenden. In einer deutschsprachigen Zeitung ist ausschliesslich auf Deutsch zu inserieren. Aber vielleicht würde euch ja mal ein Boykott gut tun. Versucht es nochmal auf DEUTSCH. Und auch in Zukunft… !

Und die junge Dame hat sich mit der Schreibweise „ausschliesslich“ disqualifiziert.

haha die zara… wenn man schreiben würde nur Österreicher hat man ne klage am hals aber in türkisch inserieren ist kein Problem.

Bereits ein Jahr zuvor wurde diese Frage übrigens ebenfalls erörtert:

warum inseriert XXXLutz in einer fremdsprache in einer österreichischen zeitung? muss ich jetzt erst diese sprache erlernen oder ist dieses inserat nicht für inländer gedacht?

und beantwortet wie folgt

„Voraussetzung für diese verantwortungsvolle Stelle in unserer Zentrale ist es, Tschechisch auf muttersprachlichem Niveau zu beherrschen. Gemäß unserer Erfahrung sind fremdsprachige Inserate eine gute Möglichkeit, um Fachkräfte für einen  Arbeitsbereich zu finden, für den die perfekte Beherrschung einer gewissen Fremdsprache Voraussetzung ist.“

Und so überrascht es nicht, dass die Antwort dieses Mal ähnlich ausfällt

XXXLutz ist in vielen Ländern tätig und gibt europaweit fast 20.000 Menschen einen Arbeitsplatz. Ein starkes Herzstück unserer Firma ist die Zentrale in Wels, für die wir auch fremdsprachige Fachkräfte suchen. Unser Unternehmen expandiert stark im Ausland und jeder dieser Expansionsschritte bringt Arbeitsplätze in die Zentrale nach Wels. Wir arbeiten alle gemeinsam für über 5 Millionen Kunden in allen Ländern.

Mit dem Personalinserat haben wir uns an eine perfekt tschechisch sprechende Buchhaltungskraft gewandt, die über Erfahrung in tschechischem und slowakischem Steuerrecht verfügt. Das Inserat richtet sich an alle Personen, die diese Fähigkeiten aufweisen und schließt niemanden aus.

Ehrlich gesagt fällt es uns schwer, die Aufregung nachzuvollziehen, aber wir hoffen, dass Sie nun besser verstehen können, warum dieses Inserat in Tschechisch geschalten wurde.“

Dieses Foto ist schon mehr als 1 Jahr alt, komisch, dass es jetzt wieder auftaucht, es würde uns interessieren, woher Du es hast!

Da kann man echt froh sein, dass die Patrioten lieben unter sich bleiben, während sie patriotisch für alle kämpfen

DANN SOLLTE EINE FIRMA WIE LUTZ IN EINER TSCHECHISCHEN ZEITUNG INSERIEREN – WAS JA AUCH VIELVERSPRECHENDER WÄRE !! IN ÖSTERREICH IST DEUTSCH DIE SPRACHE DES VOLKES UND DAHER TRADITION – DAS HAT AUCH EINE MÖBELFIRMA ZU INTERESSIEREN UND ZU RESPEKTIEREN !!

UND DIE ZEITUNG IST OFFENSICHTLICH KÄUJLICH IN VIELERLEI HINSICHT…

Und hier hat jemand das Prinzip von Zeitung und Finanzierung und Annoncen und Jobs und Wirtschaft nicht verstanden. IN VIELERLEI HINSICHT…

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Eine Antwort zu Über das Ausländisch der Ausländer

  1. Pingback: Über den Tugendterror | Dominik Lagushkin

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