Über den Tugendterror

Da hat sich der Oberblaue also, wenn auch nach langem Winden, von seinem Hausexperten für Ethnomorphose (eine Idée fixe, der auch andere Vorzeigemitglieder gerne nachhängen, wie schon hier und hier geschildert) getrennt. Aber nicht weil er der so genannten linkslinken Gutmenschenjagdgesellschaft nachgab, und auch nicht wegen des jahrzehntelangen „publizistischen“ Provokationswirkens. Nein, eigentlich nur, weil er es wagte, unter einem zuvor noch abgestrittenen „Wandersynonym„, das unter normal gebildeten Menschen gerne leichtfertig als Synonym bezeichnet wird, über einen beliebten österreichischen Fußballer wegen seiner von der autochthonen Bevölkerung abweichenden Hauptfarbe ein wenig abfällig schriftstellerte.

So geht das nun aber garnicht: auch Fußballfans mögen Alaba, und Fußballfans sind vielleicht auch dem bläulichen nachhängende Wählerleins, und somit muss sich leider getrennt werden. Aber neinneinnein, nicht weil die Öffentlichkeit aufschreit, was ja dank so genannter sozialer Medien heutzutage viel leichter geht und besser wahrnehmbar. Nein!

Der eigene Maßstab ist es.

Solcherart durch die Wolf’sche Folterkammer schwimmend, hätte man gemeint, na gut, ein wenig angeschrammt, aber wird schon gut gehn (aus seiner Sicht). Oder: einer weg, der Rest macht weiter, weil: Ändern tut sich eh nie was.

Am Wochenende erfolgte auch gleich die Teil-Absolution in Form eines APA-Interviews mit so genannten Meinungsforschern, die doch glatt postulierten:

Meinungsforscher sehen im Rückzug von Andreas Mölzer einen weiteren Beleg für die fortschreitende Emanzipation der FPÖ vom rechtsextremen Rand.

Was wir an diesem Interview-Artikel am meisten vermissten, war der Hinweis, dass es sich dabei um Satire handelt. Oder um einen Artikel von der Tagespresse.

Weiter führt nämlich einer der beiden aus:

Die Entwicklung habe schon weit vor Mölzers Abgang begonnen und betreffe etwa Susanne Winter, Barbara Rosenkranz, Werner Königshofer und Martin Graf. „Es handelt sich dabei um eine notwendige Abgrenzungsaktion gegen den rechten, braunen Rand.“

Und alle, die noch irgendwie halbwegs aktiv am politischen Leben teilnehmen, und zumindest monatlich die Liste der Abgeordneten zum Nationalrat memorieren, werden freudig erkennen, dass die Jobbeschaffung im Nationalrat (Winter, Rosenkranz) neuerdings als „Abgrenzungsaktion“ interpretiert werden kann.

Danke APA für diesen unwidersprochenen Schwachsinn. Das geschätzte PronoEver hat zu diesem Thema noch andere Aspekte erörtert.

Apropos Schwachsinn: die ewige Denkzettelpartei hat ihre ersten Wahlplakate vorgestellt. Wir wollen nicht an die Schmerzen denken, wenn wir sie jetzt eineinhalb Monate lang an jeder Ecke sehen müssen:

Zu viel EU ist dumm

„Zu viel EU ist dumm“

"Zu viel EU tut niemand (sic) gut"

„Zu viel EU tut niemand (sic) gut“

Das Sprachgeschick der selbst ernannten Sprachschützer kennt eben die Dativform von „niemand“ nicht. What shalls.

Auch dass die Politikerdarsteller durch Überkontrastierung und sonstige Photoshopattacken um zig Jahre jünger wirken, und dabei beinahe unkenntlich entstellt wurden, soll uns nicht weiter stören. Man kann halt eben nicht überall Profis sitzen haben.

Solche saublöde Slogans laden natürlich sofort zur Verballhornung, und die werte Blutgruppe machte sich gleich eifrig ans Produzieren und/oder Sammeln, wie zB

Wir schüren EURE Wut, damit Ihr uns’ren rechten Rand vergessen tut

Zu viel FPÖ ist dumm

Summ summ summ

Zu viel Party macht dumm

Bei so viel Spaß will eben jeder mitmachen, auch wenn er oder sie nicht so begabt ist. Dieses Hindernis kann aber die selbst ernannte „gerichtlich anerkannte Islamkritikerin“ nicht davon abbringen, sich als nicht anerkannte Demokratiekritikerin zu profilieren:

"Wer zur Wahl geht der ist dumm"

„Wer zur Wahl geht der ist dumm“

Auf ihr seltsames Demokratieverständnis angesprochen, verteidigt sie noch wortreich:

"Ich bin bekennende Nichtwählerin"

„Ich bin bekennende Nichtwählerin“

Diverse erregte Bürger erinnern die werte Dame daran, dass sie nur aufgrund eines demokratischen Wahlergebnisses im Nationalrat sitzt, und vom Volke bezahlt ihre Facebook-Wand vollkleistern kann. (Das sollte man auch einmal thematisieren).

So richtig ernst wird’s aber erst, als der Bepeoh sich zu Wort meldet:

"Was soll dieses eigenartige Posting?" (c) BG HCneg

„Was soll dieses eigenartige Posting?“ (c) BG HCneg

und hier nocheinmal in unschief:

"hart erkämpftes Grundrecht" (c) HoH

„hart erkämpftes Grundrecht“ (c) HoH

Kurz darauf war das lustige Bildlein mit alles verschwunden.

Damit sollte die Absurdität eigentlich erledigt sein. Also nein, so richtig erledigt wäre sie erst, wenn Frau Winter ihr Nationalratsmandat zurücklegt. Aber bitte, jetzt ist grade erst ein Kandidat von seiner noch nicht rechtskräftigen Nominierung zurückgetreten, und wenn das so weitergehn würde, also nein.

Die Realität zeigt aber, dass die Fortsetzung des Absurden nur noch Absurderes sein kann:

"feige anonyme Cyberkriminelle" (c)HC

„feige anonyme Cyberkriminelle“ (c)HC

Bruhahaha. (Und bei der BG zum Mitlachen)

Immerhin ein Teil der Kommentatoren ist nicht restlos überzeugt, wie man hier nachlesen kann. Immerhin 406 (bis dato) von fast 195.000 „Fans“ gefällt die Hacker-Story (was macht eigentlich der Rest der Gefolgschaft?)

Fassen wir also den Hackathon zusammen:

  • Auf Winters FB-Seite erscheint das Posting: „Wer wählt, ist dumm“
  • Der BPO kommentiert: Was soll denn das?
  • Das Posting verschwindet.
  • Der BPO schreibt: Es waren Hacker
  • Frau Winter antwortet auf diverse Nachfragen nach dem Hacker nicht.
  • Frau Winter postet unbekümmert weiter.
  • Frau Winter und Herr Strache erläutern nicht, wie sie das „gehackte“ Konto wieder zurückerlangt haben
  • Frau Winter und Herr Strache erläutern nicht, welche Sicherungsmaßnahmen sie getroffen haben
  • Strache bestätigt die „Echtheit“ seines Postings, aber nicht seinen Wahrheitsgehalt:
"Mein Posting ist echt!"

„Mein Posting ist echt!“

Die rechtsrechten Gutmenschen sind den „Hackern“ mittlerweile auf der Spur, denn sie wissen:

"Grüne + Computer => Hacker" (c) Manfred Walter

„Grüne + Computer => Hacker“ (c) Manfred Walter

Frau Winter scherzt inzwischen weiter, ohne auf den Hacker einzugehen

"Ich bedanke mich recht herzlich für Ihren ausführlichen Kommentar und wünsche Ihnen einen angenehmen Abend"

„Ich bedanke mich recht herzlich für Ihren ausführlichen Kommentar und wünsche Ihnen einen angenehmen Abend“

Abschließend beleuchten wir noch einen Nebenschauplatz, nämlich die FB-Gruppe „Was ist aus meiner FPÖ geworden?„, die vor der Umbenennung „Wenn die FPÖ so weitermacht, ist sie bald nicht mehr meine Partei!“ hieß.

Ihre Gruppenbeschreibung lautet zwar

Du hast es satt, dass du ständig als Nazi beschimpft wirst, obwohl dir nur Österreich am Herzen liegt?

Du hast es satt, ständig die braunen Rülpser in deiner Partei gegenüber der Öffentlichkeit verteidigen zu müssen?

Du willst eigentlich aussteigen, fürchtest aber die Reaktion deiner Freunde und Kollegen?

der Inhalt der Postings sorgt sich aber eher um den vermuteten Linksruck, der den werten BPO ereilt haben muss, andernfalls er sich nicht zur Feuerung des Dr. Seltsam hätte durchringen müssen.

Wie dem auch sei, dem Herrn BPO schlägt dort wenig Sympathie für seine jüngsten Taten entgegen:

"Meinungsfreiheit in unserer (ehemaligen?) Bewegung"

„Meinungsfreiheit in unserer (ehemaligen?) Bewegung“

"das ist doch mit Abstand der größte Schwachsinn, den sie jemals von sich gegeben haben!"

„das ist doch mit Abstand der größte Schwachsinn, den sie jemals von sich gegeben haben!“

Und man freut sich, dass die Widerspenstige sich nicht zähmen lässt

"Sind Sie es, Hr. Hacker?"

„Sind Sie es, Hr. Hacker?“

Wie wird’s wohl weitergehn? Wird der Hacker-Zwischenfall jemals aufgeklärt werden? Und: Wer wird der nächste sein?

"wer fällt als Nächstes?"

„wer fällt als Nächstes?“

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2 Antworten zu Über den Tugendterror

  1. Manfred Walter schreibt:

    Das schöne ist ja, dass es selbst erklärte JüngerInnen nicht mehr glauben wollen…. 😀 😀 😀

  2. Pingback: Über die Waffennarren | Dominik Lagushkin

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