Über die hohlen Phrasen

Hach war das eine Aufregung, als die Blaupartei im Nationalratswahlwettbewerb ihre Variante der Nächstenliebe propagierte, die sie allerdings auf Unsere Österreicher einzuschränken gedachte, ohne zu erläutern, was denn das Unsere bedeuten möge:

Sind alle Österreicher Unsere, oder nur die ihnen wohlgesinnten, also mathematisch eine Untermenge der Menge aller Österreicher? Und gelten nur Urösterreicher als Unsere Österreicher, oder auch Zuwanderungsösterreicher, also solche, die ohne Unsere Staatsbürgerschaft geboren wurden, aber nachträglich rechtmäßig den Genuss derselben erwarben?

Wir wissen es nicht.

Einen Hinweis auf die korrekte Antwort könnte die jüngste Enthüllung des geschätzten Herrn Klenk geben, der soeben über gaunz gaunz oage Zustände in der Justizanstalt Stein berichtete, und diese auch mit Fotos belegte.

Die Medien berichten (heute, derstandard, orf, orf), die Parteien ohte-essen (rot, schwarz (aber nur die Volksanwaltschaft), grün, pink).

Und, beinahe naturgemäß, schweift die blaue Reaktion von der aller anderen, nämlich dem Ausdruck des Schocks und der Erschütterung und der Forderung nach Reformen, ab.

Warum das so sein mag? Nun, es wird berichtet:

Drei Beamte wurden vorläufig suspendiert, Justizminister Wolfgang Brandstetter kündigte eine Reform der Strukturen an.

Bei den Suspendierten handelt es sich nach Angaben der Austria Presse Agentur um den Traktkommandanten, den zuständigen Abteilungsleiter und den Abteilungsleiter-Stellvertreter. Wobei der Abteilungsleiter politisch aktiv ist: Er ist Mitglied der freiheitlichen Exekutivgewerkschaft AUF und steht auf der FPÖ-Liste für die EU-Wahl.

Daher verwundert die blaue Aussendung auch nicht wirklich:

Aus einer Suspendierung medial eine Verurteilung zu machen ist jedenfalls ein durchsichtiges Wahlmanöver.

Dass der Justizminister nun diesen Beamten, der auf einem hinteren Platz der FPÖ-Liste zur EU-Wahl steht, suspendiert, ist ein sehr durchsichtiges Wahlkampf-Manöver auf dem Rücken der Justizwache.

Nachdem die Prüfung der Anstalt schon seit Monaten andauert, Erkenntnisse aber bislang nicht an die Öffentlichkeit gelangten, ist weder die eine noch die andere Behauptung außenstehend überprüfbar.

Bisherige Berichte über die Einrichtung lassen aber nichts Gutes erhoffen.

Falls sich die Vorhalte doch bestätigen sollten, hätten wir schon Vorschläge für die nächste Plakatwelle:

Nächstenliebe, aber nicht für alle "Nächsten"

Nächstenliebe, aber nicht für alle „Nächsten“

Und falls wirklich, dann wäre nicht nur eine Entbläuung der Polizei, sondern auch eine Entbläuung der Justiz zu erörtern. Man wird sich ja noch was wünschen dürfen.

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Eine Antwort zu Über die hohlen Phrasen

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