Über das Rednerschicksal

Der jüngst zum Delegationsleiter der „Wir sind gegen die EU, kandidieren aber trotzdem für’s EP, weil wir zwar aus der EU nicht austreten wollen, aber für eine Volksabstimmung über den Austritt sind“-Partei (F-WsgdEkatfEwwzadEnawafeVüdAs-PÖ) erkorene Elektrizitätsexperimentator verkündete am 2.7.’14 einen ersten Achtungserfolg im Rahmen der Umsetzung seiner europapolitischen Vorstellungen:

"Heute war ich im EU-Parlament bei der wichtigen Debatte über den EU-Gipfel übrigens der einzige Österreicher, der das Wort ergriffen hat!"

„Heute war ich im EU-Parlament bei der wichtigen Debatte über den EU-Gipfel übrigens der einzige Österreicher, der das Wort ergriffen hat!“

Heute war ich im EU-Parlament bei der wichtigen Debatte über den EU-Gipfel übrigens der einzige Österreicher, der das Wort ergriffen hat!

wos host gsogt hari?

Bei all dem elektronischen Beifall konnte sich Herr V. aber nicht dazu durchringen, den Inhalt seines bedeutsamen (Erste Rede! Einziger Redner aus Österreich!! Er für UNS!!!) und geschichtsträchtigen Auftritts wiederzugeben.

Die TT berichtete lediglich (ob verächtlich, oder doch bedauernd)

Der neu gewählte FPÖ-Abgeordnete Harald Vilimsky erklärte seinerseits in einer kurzen Wortmeldung, das Parlament repräsentiere die Bevölkerung Europas nicht: „Würden wir alle Sitze freilassen für alle, die nicht gewählt haben, wären hier vier Fünftel der Sitze leer“, sagte er. Er sei gewählt worden, um „klar zu machen, dass mein Land, mein Volk Kompetenzen aus der EU zurückholen will“. Da Vilimsky als fraktionslosem Abgeordneten nur eine Minute Redezeit zugesprochen wurde, wurde vor Ende seiner Ausführungen sein Mikrofon abgedreht – das Ende seiner Wortmeldung war nicht mehr vernehmbar.

und wir wüssten bis heute nichts von den wohl gewählten Worten, hätte man sie uns nicht über dunkle Kanäle zukommen lassen.

1 Minute für einen fraktionslosen Abgeordneten.

Wo kommat ma denn da hin, wenn man nur 1 Minute sprechen könnte, obwohl der Satz noch garnicht aus ist, auch wenn er garkeinen Inhalt hat.

Im österreichischen Parlament bitteschön, da gibt ein Lichterl, das leuchtet zuerst nicht. Dann blinkts. Dann leuchtet es durch. Und irgendwann ermahnt dann HerrFrau PräsidentIn. Aber abdrehn? Ganz tonlos?

Wir beginnen, uns für die hiesige Umsetzung dieser Idee zu begeistern.

Und natürlich sind beim einschlägigen Publikum nicht die schuld, die für die geringe Redezeit verantwortlich sind, sondern die, die sie einfordern, indem sie einfach den Schalter auf AUS stellen.

"EU-Demokratie!!! Nach einer Minute eiskalt abgedreht! "

„EU-Demokratie!!! Nach einer Minute eiskalt abgedreht! „

Liebe Aufreger und -innen, ihr wisst es natürlich besser:

Wer es nicht schafft, sich eine Fraktion zu basteln, hat eben weniger Redezeit im EP. Das hätte euch die abhanden gekommene Doppelspitzenhälfte, nämlich die mit der Erfahrung, nämlich noch kurz flüstern können.

Stattdessen habt ihr das Nichtzustandekommen einerseits den Medien zugeschoben, weil die Medien, das geht immer. Und andererseits die brodelnde Fanmeute mit einem holprigen

Aufgeschoben ist nicht aufgehoben!

bei Laune gehalten, obwohl die nun natürlich auch langsam Ergebnisse sehen will.

 

Und der für Verjüngung stehende 48-jährige Doppelspitzenrest sprudelt eben in seinem jugendlichen Elan, dass es zwar eine Freude ist, es sich aber leider mit der zugestandenen Zeit nicht ganz ausgeht.

So, lange genug auf die Folter gespannt…. *trommelwirbel*

Dies sind die Worte der Lesung (freundlicherweise gleich unter obigem Jutub-Video platziert):

Herr Präsident, meine sehr verehrten Damen und Herren von den Mehrheitsfraktionen hier im Hause! Glauben Sie wirklich, dass Sie Ihre Staaten, Ihre Völker oder Ihre Kulturen repräsentieren? Wir hatten teilweise eine Wahlbeteiligung von unter 20 %, 80 % der Menschen verwehren sich längst und sagen, sie wollen mit dieser Form des europäischen Einigungsprozesses nichts mehr zu tun haben. Wären wir ehrlich und würden all die Sitze frei lassen für die Menschen, die nicht gewählt haben, dann wären vier Fünftel des Saales leer, und dieses Haus wäre in einer Art und Weise repräsentiert, dass deutlich wird, dass endlich Reformbedarf besteht.

Ich komme aus Österreich. Ich bin nach acht Jahren im österreichischen Parlament jetzt hier, um eines klarzumachen: Mein Land, mein Volk, will Kompetenzen zurückhaben. Wir wollen unsere Souveränität zurückerhalten. Wir wollen uns nicht länger gefallen lassen, dass hier von einer europäischen Nomenklatura, die von 80 % der Menschen in Europa nicht einmal mehr gewählt wird, bestimmt wird, und nicht mehr in einer integren Art der demokratischen Willensbildung gehandelt wird.

Mit dem Personalpaket, das hier geschnürt wurde, und wo ein Herr Juncker heute …

Davon werden noch Generationen berichten. Schüler werden die Worte auswendig lernen. Gedenktafeln werden sie enthalten.

Aber, äääähm, wo war der Teil mit „über den EU-Gipfel“?

Nachtrag: Während man an einem Tag noch „eiskalt abgedreht“ poltert, lobt man am nächsten mit Bravo-Rufen:

"Bravo!"

„Bravo!“

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