Über die Bisdreizähler

Am 26.6.’14 „veröffentlichte“ der bekannteste Dreibierbesteller des Landes das Foto eines mutmaßlichen Mitbestellers

Kurz 3 Bier (c) BIBER

Kurz 3 Bier (c) BIBER

BIBER sah sich daraufhin gewissermaßen genötigt, die Hintergründe zum Zustandekommen des Fotos, ebenso wie die unrechtmäßige Enteignung zu thematisieren:

Hm, ganz schön dreist. HC Strache verwendet auf seiner FB-Seite ein Foto, das uns gehört und reißt es aus dem Zusammenhang. Dieses zeigt Außenminister Sebastian Kurz wie er drei Finger in die Kamera zeigt und wurde während des „Interviews in Zahlen“ geschossen, das im Juni-Biber erschienen ist. Strache postete das Foto mit dem Text: „Offensichtlich solidarisiert sich auch Kurz bereits mit mir…“.
Zur Erinnerung, bei diesem Interview-Format stellen wir Fragen und Politiker dürfen nur mit einer Zahl antworten. Die Antwort „3“ bezog sich auf die Frage, wie oft Kurz seine Eltern in der Woche anrufe. Und nicht, wie von Strache suggeriert, auf den serbischen Drei-Finger-Gruß. Liebe Politiker, ihr könnt euch gerne befetzen, aber Fotos ungefragt verwenden und auch noch aus dem Zusammenhang reißen, das geht gar nicht! 
 — with Drei Deppate FPÖLer.

OK, die Formulierung „reißt es aus dem Zusammenhang“ ist hier ziemlich gut gelungen, wenn wir uns an verschiedenste zusammenhangsentrissene Distanzierungen erinnern, und die Internetze sind voll davon!

Auch die BG informierte über den Zusammenhangentreißungsvorfall. Eine JVP höhnte. Ein Herr Kurz reagierte gelassen.

Wie auch immer, kurz darauf war das ursprüngliche Posting verschwunden, aber vielleicht findet die Weltsuchmaschine noch ein paar Überbleibsel, wie bspw. dieses Cache-Relikt:

Assoziationen mit "Drei". Hihi und facepalm

Assoziationen mit „Drei“. Hihi und facepalm

Aber was hat die „Tageszeitung Österreich“ mit einem Foto von BIBER zu tun?

Wir schlagen in dem Buch nach, das in keinem Haushalt fehlen sollte, nämlich Strache: Im braunen Sumpf.

Dort wird ab Seite 19 erläutert:

Nur wenige Tage nachdem die ersten Wehrsport-Fotos aufgetaucht waren, veröffentlicht „Österreich“ ein Foto, auf dem Strache mit jenem „Kühnen-Gruß“ zu sehen ist, den Neonazis anstelle des verbotenen Hitlergrußes verwenden [Fußnote 16 verweist auf oe24]:

oe24 strache gruß

Daumen, Zeigefinger und Mittelfinger werden zum W gespreizt, was „Widerstand“ gegen das verhasste (demokratische) „System“ bedeutet [Fußnote 17 verweist auf profil]. In Deutschland ist dieser Gruß als Nazi-Geste verboten, in Österreich steht er nur dann unter Strafe, wenn das Gericht ihn als „propagandistische Pose“ wertet […].

Entstanden ist das Foto 1994 am Rande des Innsbrucker Freiheitskommers. [Zwei ehemalige Freunde] seien dabei gewesen, als Strache den damals bereits wegen Wiederbetätigung verurteilen Franz Radl „mit dem Neonazi-Gruß gegrüßt hat“.

Und weiter auf Seite 21

Wieder beginnt eine Serie peinlicher Unwahrheiten und Ausreden. Die beiden FPÖ-Generalsekretäre Herbert Kickl und Harald Vilimsky lösen Entsetzen unter Burschenschaftern und Parteifreunden aus, indem sie den Neonazi-Gruß als „burschenschaftliche Tradition“ ausgeben.  [Fußnote 25 verweist auf oe24]

Danach behaupten sie, es handle sich um jenen Gruß, der seit 1961 „von den Südtiroler Freiheitskämpfern verwendet“ werde. […] „Das ist der Gruß der Südtiroler Freiheitskämpfer, ein Zeichen des Widerstandes gegen den Faschismus“, erklärt er im Interview mit der „Presse“. [Fußnote 27 verweist auf das Interview in der „Presse“]

Und weiter auf Seite 22

Also präsentiert Strache eine dritte Version. Auf dem Weg zum Korpirierten-Baall spricht er im „ZiB2“-Interview davon, nur „drei Bier oder drei G’spritze“ bestellt zu haben – eine in Nazi-Kreisen gängige Rechtfertigung […]. [Fußnote 30 verweist auf oe24]

Es folgen Prozesse Straches gegen „Österreich“ und gegen „News„, über deren Ausgang wir jetzt auf die Schnelle auch nichts sagen können. Andererseits: Hätte Hr. Strache gewonnen, gäb’s dazu eine OTS.

Aber immerhin: Im Buch ist sehr schön ausgebreitet, dass jede Erklärung und Rechtfertigung aus einem der unzähligen Paralleluniversen stammt, deren man sich, erwischt und umzingelt, gerne bedient, aber die objektiv feststellbare Realität eben eine andere und für alle gültige und überprüfbare ist. Nix da mit Herbeiphantasieren.

So viel zum Thema Einen falschen Gruß unterstellen.

Alle Quellennachweise für das Buch finden sich übrigens als PDF hier.

Ach, eins noch. Die Suche nach Kühnengrüßen fördert auf oe24.at noch weitere Treffer zutage:

Und  falls jemand zweifeln sollte: Alles ein Missverständnis, alles aus dem Zusammenhang gerissen (siehe oben).

Und eine OTS haben wir doch noch, nämlich vom Kurier, vom 11.9.’08:

Und wieder einmal Strache. Österreichs bekanntester Paintballer geriet durch neue, alte Fotos ins Gerede. Die sollen beweisen, dass es sich beim einstigen Waldjux, wie ihn H.C. erlebt haben will, doch um echte Waffen und Wehrsportübungen gehandelt hat. Als ob diesen Torheiten nicht schon genug Raum gegeben worden wäre. Als ob wir nicht eh’ zur Genüge wüssten, wo wir den FPÖ-Chef – so oder so – einzuordnen haben. Als ob wir nicht ahnen könnten, welche Folgen die konstruierte Empörung auch diesmal haben wird, nämlich keine.

 

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Copyright, Facebook, Strache veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Eigenen Gedanken verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s