Über das Centipostum

Eigentlich wollten wir uns zurücklehnen, entspannen, mit uns selbst auf das 100. Posting anstoßen, und resümieren über uns, was war, was anders geworden ist, und was noch sein wird…

Aber nein!

Dauernd passiert etwas. Schlängelt sich eine beendet geglaubte Geschichte weiter. Eine andere beginnt. Sie vereinen sich und trennen sich wieder. Geschichtenstränge werden durch unseren Alltag gewoben.

Nicht normale Geschichten, nein, sich immer steigernde Geschichtenstränge. Nein, nicht aus eigenem Antrieb steigernd, sondern in die Steigerungen erzwungen, um täglich neu die Aufmerksamkeit derer zu erregen, die a) leicht erregbar sind b) leicht abzustumpfen drohen.

Im Gegenzug gäb’s auch empfindliche Zuhörer und Beobachter, die eigentlich keine Zuhörerinnen und Beobachterinnen sein wollen, die, denen das am liebsten erspart bliebe, was täglich an Geschichten über uns alle hereinströmt, in ihren täglich noch überhöhteren Steigerungen und Übertreibungen, ob tatsächliche oder herbeigeredete Geschichtenübertreibungsstränge, die vorgeben, der Wirklichkeit zu entsprechen, in Wirklichkeit die Wirklichkeit aber höchst verzerrt, und nur zum Vorteil des Geschichtenübertreibers wiedergeben – nein, eigentlich: nachahmen. Kein Spiegel, sondern Schatten, verzerrte. Zerrspiegelschattensandeutungen.

Diese Realitätssimulationsfiktionshyperbeln, denen wir nur noch fassungslos zusehen und zuhören können, während sie von den Hyperbelautoren weiter gestrickt werden, ziemlich beinahe völlig entbunden von irgendeiner Realitätsrelation, die hindern uns daran, dem Motto dieser Seite nachzukommen: Einfach mal denken. Oder viel mehr: Einfach mal denken, und zu einem Denkergebnis kommen. Denkvorgangsresultat not found.

Der ewige Hyperbelstrom als Cerebralparalysator.

Ein endloses geflochtenes Band, wie es die Herren Gödel, Escher, und Bach in ihrem berühmten Erstlingswerk nannten, aus Wahnwitz, Übertreibung, Verfremdung, samt behaupteten Nachrichten aus angeblichen Paralleluniversen, aus Widersprüchen, die gerne in Kauf genommen werden, wenn um des Dagegenseins Willen einmal gegen das Eine, und im nächsten Moment gegen das Andere positioniert wird; dieses Band, das uns abwechselnd zum Staunen, zum Lachen, und zum Verzweifeln bringt:

Der Krauss, der Ripfl, der Gaza-Streifen, der Putin, die Flugzeuge, die Facebook-Politiker, die Polizei, der Rechtsstaat, der Staatsanwalt, die Pizzeria und ihre Pizzabäcker, die Leistungsträger, die dort nie Pizzaessen waren, die Antisemiten und die vermeintlichen Antisemiten, die Faschisten und die Antifaschisten und die Antiantifaschisten, und von jedem noch das mutmaßliche und das vermeintliche.

Da hätten wir doch stattdessen lieber noch ein Gläschen Sekt getrunken.

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