Über den doppelten Bilderklau

Manche behaupten, es wäre schon einmal vorgekommen, dass auf der Seite des zukünftig bestesten Bundeskanzlerbürgermeisterstadtschulrats der stärkestesten und heimatsozialsten Partei ever das eine oder andere Bild nutzungsrechtewidrigerweise misappropriiert worden sein soll, was wir überhaupt nie und nimmer glauben können, denn es widerspräche ja Unserem Land, Unserer Kultur, Unseren Regeln, und nachdem solche Dinge einfach nicht vorkommen, kann es auch nicht sein, dass wir beispielsweise hier oder beispielsweise da über ähnliche Vorfälle geschrieben haben würden.

Wohin wird er rückreisen?

Wohin wird er rückreisen?

Und dass selbst die, die zum Zwecke der Feststellung, ob der Herr Bäpäoh nun als Mitwirkender oder Mitschuldiger in einer Urheberrechtsangelegenheit involviert war, den Vorfall sogar zur gerichtlich vorangetriebenen Untersuchung vorlegen, dürfen sich bis zur Aufhebung der Immunität durch den Nationalrat gedulden, denn vorher wird kein Bäpä-Ohrwaschel gerührt.

Rechtschaffenheit und Gesetzestreue, wie man sie sich von einem nächstenliebenden Volksvertreter eben wünscht.

Allerdings, allerdings.

Allerdings mussten wir diese Woche schon erleben, dass ein Photograph, der gerne einmal die einen oder anderen Pixel für die Zeitung für Leser zusammenklebt, schaaamlosest seines geistigen Eigentums beraubt wurde, als sich seine Fotos vom sowohl Auto- als auch Fußgänger-losen Ringrasen kurzerhand auf den Elektrowänden derer wiederfanden, die sie für ihre politischen Spielchen zu gebrauchen dachten: Lieber Manfred Juraczka, Lieber HC StracheLieber Gegen Mariahilferstraßenumbau.

Die ÖVP Wien ließ sich sogar noch auf ein Wischiwaschiwortgefecht, wie berichtet wird, ein, und heult ein paar Krokodilstränen ob der selbst verursachten Gesetzeslage, aber schlussendlich kann doch in 2 Fällen ein Sieg ohne Anwendung von Waffengewalt verkündet werden.

Total schlimm. Total ok. Oder so.

Total schlimm. Total ok. Oder so.

Wurscht, weil Werte Redaktion des Radio Ö24. seufz

Da geht noch mehr, denkt man sich möglicherweise, und klebt halt ein anderes Bild an die Wand, so dass es alle sehen können, wie wir jüngst aus dem AK erfuhren:

Trend und/oder Tradition?

Trend und/oder Tradition?

und angesichts der geschilderten Bildundtonraubmordkopierserie wissen wir jetzt nicht, ob es sich beim Klebenvorgang um Tradition oder Trend handelt. Manchmal sind ganz verschiedene Dinge doch recht schwierig zu unterscheiden.

Die Designerin des Traditionsstoffes ist not amused:

"distanzieren uns von politischen Aussagen"

„distanzieren uns von politischen Aussagen“

und die Lichtartisten, die das Foto schufen, stimmen in ihr Non-Amusement ein:

"ohne jegliche Zustimmung , in keinerlei Kontext"

„ohne jegliche Zustimmung , in keinerlei Kontext“

Verständlich, denn wer will sich schon gerne braun anmalen lassen?

In ihrer Forderung wären sie jedenfalls nicht die ersten.

Das Dirndldesign wird übrigens hier und hier auch beworben; auf der Designer- und der Photographenseite war es nicht zu finden. Zumindest für uns. Bei einmal schnell drüberfliegen. Egal.

Das war der einfache Klau. Und der doppelte?

Haha!

Bilderklau schlägt Identität

Bilderklau schlägt Identität

Da haben doch glatt die Identitären in weiser Voraussicht, oder hinterhältiger Absicht, dem armen sozialheimatlichen Sozialmedialteam ein Bildchen untergejubelt, das diese dann hypnotisiert verwenden mussten, und damit es nicht so offensichtlich ist, noch schnell den unteren Rand weggeschnitten, der auf die Tradition von ganz wem anderen hinweisen tätate, wenn mans denn lesate. Also Schnipp, die Idis weg, noch dazu von die Biffke, und schon wirds schön einheimisch heimelig.

Denn noch nie nie nie gab es irgendeine Verbindung zwischen den einen und den anderen, aber manchmal tun die einen den anderen so richtig leid, und dann investiert man sogar in eine Presseaussendung.

Aufgrund der oben angeführten Formulierung nehmen wir einfach naiver Weise an, dass die Kontextbefreitheit auch in diesem Falle gilt, wenn sie’s schon im anderen Falle tut.

Durch diesen Nachtrag wird’s nun eigentlich ein Dreifachjackpot, denn selbst den hingepinselten Spruch soll sich schon jemand anderer ausgedacht haben:

HSV

HSV: Tradition schlägt jeden Trend

und wenn wir uns die Weltbildsuchergebnisse ansehen, dann wollen wir mit manchen Treffern so garnicht in Berührung kommen.

"Unsere Regeln". Im Fußball natürlich, was sonst. (c) spasskostet.de

„Unsere Regeln“. Im Fußball natürlich, was sonst. (c) spasskostet.de

Und wie wir so am Bilderchens zammsuchen sind, läuft uns noch ein Klauvorfall über den Weg, und nachdem uns der Name nichts sagt, schauen wir halt einmal, und nein, wir sind soowaaas von schockkkiert!

Frank Franz (* 21. November 1978 in Völklingen) ist ein rechtsextremer deutscher Politiker der NPD. Er war von 2005 bis 2012 Landesvorsitzender der Partei im Saarland und ist seit November 2011 Mitglied des Bundesvorstands seiner Partei.

Na echt jetzt. Kann’s noch schlimmer kommen?

Nette Hashtags!

Nette Hashtags!

Andererseits will man sein eigenes Kleidchen vielleicht auch nicht von jedem beworben sehen

white genocide??

„white genocide“??

Die Retweets sehen wir nicht, aber die Facebook-Teilungen. Die Idis teilen die Idis, die NPD teilt den Franz, und der Casus belli darf sich internationaler Bekanntheit rühmen, da ihn nicht nur die FPÖ teilt, sondern auch die NPD, Pro NRW, und wer weiß, wer noch aller. Heimat bist du großer Töchter. (Die Söhne sind mitgemeint.)

Vice berichtet über den Vorfall unter dem Titel Strache und die Identitären haben den gleichen Modegeschmack.

Wir fassen also zusammen: Für die Rechten gehört es anscheinend zum guten Ton, ein Foto aus seinem Zusammenhang zu reißen, und in ihren eigenen politischen Kontext zu verpacken. Hinweise der Photographieurheber werden gerne ignoriert.

Was aber, wenn umgekehrt, sich ein Photograph nicht damit abgeben möchte, für die blaueste aller Parteien Photographiearbeiten zu übernehmen?

Nabissdudebbad, na mehr brauchst ned.

EIN SKANDAAAAL

EIN SKANDAAAAL

Der Artikel ist auch auf der Netzpräsenz der NÖN zu finden.

Auf unserer blauen Seite, die jetzt nicht unbedingt für einen gesitteten Umgangston bekannt ist, wird verbal drauf los gefeuert, als gäb’s kein Morgen.

Unsere blaue Gesprächskultur

Unsere blaue Gesprächskultur

Eine richtig nette Truppe ist das dort: „diskriminierende linke Gutmenschen“, „zu doof“, „eingeraucht“, „Trampl“, „linke Ideologie“, „grüne Tussi“, „Ausgrenzung“, „Nazi“, „Schlazfut“, „A…loch“, „Bauerntrampel“

Man darf anhand der Kommentare zu dem Urteil kommen, dass die meisten den Artikel nur bis zur Überschrift gelesen haben.

Denn sonst wäre jemand auf die Idee gekommen, zu fragen, warum der Ersatzphotograph anonym bleiben wollte.

Die Parteimitglieder aus Schönbühel-Aggsbach haben ihre Fotos bereits. Namentlich erwähnt will der Fotograf allerdings nicht werden.

Aber es fragt eben niemand, und deshalb schimpft auch niemand „Feigling“. Ist doch eh egal.

Zur unterstellten Mediengeilheit würden wir allerdings mutmaßen, dass nicht besagte Photographin die Medien kontaktiert hat, weil sie die FPÖ nicht ablichten wollte, sondern dass es wohl eher die Leidernein-Kundschaft war. Aber nichts genaues weiß man nicht. Und dass die NÖN neuerdings rot/grün sind – na wusch, wie schnell sich doch die Dinge im schwarzen Bundesland ändern!

Auch auf der FB-Story-Seite der NÖN tun sich interessante Argumentationslinien auf

"Rassismus", "Rassismus"

„Rassismus“, „Rassismus“

Wir lernen: wer mit der FPÖ (der Partei, nicht deren Mitglieder oder Wähler) kein Geschäft machen will, ist ein Rassist. Wenn die FPÖ jeden Tag gegen

  • Türken,
  • Muslime,
  • Afrikaner,
  • Asylwerber,
  • Ertrinkende,
  • Kriegsflüchtlinge,
  • Osteuropäer,
  • Südeuropäer, und
  • sonstige Ausländer

wettert, dann ist das gäläbte Nächstenliebä. Weil für ihn sind das seine Österreicher.

Der Herr Lizar wird übrigens nicht verpixelt, da er nicht nur offiziell im Amt (hihi) ist, sondern auch für seine Wortwahl landesweit bekannt ist.

Besagte Photographin freut sich ob des inszenierten medialen Rummels. 🙂

Nachtrag

1.10.’14: Strache postet einen Rückzieher, formuliert aber keine Entschuldigung

Ich habe auf meinem Facebook-Profil ein Foto von Standard-Fotograf Matthias Cremer von der Aktion „Rasen am Ring“ gepostet.
Herr Cremer hat auf ein Honorar verzichtet und angeregt, stattdessen 200 Euro zu spenden. Diese gehen an das St. Anna Kinderspital.

Dafür klatscht er einen blaublauen Scheck auf seine Wand, das einschlägige Publikum jubelt „tolle Sache“.

2.10.’14 Die Kleine Zeitung berichtet: Popup-Geschäfte und Facebook-Ärger

6.10.’14 derstandard berichtet: Facebook: Designerin Lena Hoschek geht gegen Strache-Posting vor

madonna berichtet: Designerin Hoschek klagt Strache

Sie wehrt sich gegen politische Vereinnahmung durch den FPÖ-Chef.

und auf FB mit dem erwartbaren Kommentationsniveau.

8.10.’14 Blogger Horstson berichtet über das Photo auf der Wand eines NPD-Pressesprechers. Mittlerweile wurde das Photo sowohl dort als auch von Strache entfernt.

14.10.’14 Besagtes Trachtenphoto ist noch immer auf Straches „privater“ Seite online.

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