Von Krieg und Flucht

Immer wieder finden wir Texte, die leider auf Facebook verloren gehen würden, weshalb wir fortan in der Reihe „Von …“ einige davon retten wollen.

Floh Gruen, 8.10.’14, Facebook bei Wien (*)

Also all jenen, die sich ständig über die Ungeheuerlichkeit beschweren, wie sehr wir unsere Asylanten nicht verhätscheln, möchte ich mal folgende Parabel ins Poesiealbum schreiben.

Stell dir vor, du interessierst dich nicht besonders für Politik, oder kannst zumindest mit Rot und Schwarz nicht besonders viel anfangen. Sind ja eh alles die selben Deppen. Du gehst brav arbeiten, hast eine nette Wohnung, eine kleine Familie, usw.

Am Rande bekommst du mit, dass der Ton zwischen Rot und Schwarz schärfer wird. Das is ja nichts neues. Aber plötzlich drehen irgendwie alle am Radl. Am Stephansplatz fallen die ersten Schüsse, und einen Monat später gibts kaum eine Ecke in Wien wo nicht geballert wird und sich die Leichen stapeln.

Du versuchst irgendwie durchzukommen und hoffst, dass das alles wieder aufhört. Aber eines Tages kommst du nach Hause und dein Haus gibt es nimmer, weil die VPler den 21. bombardiert haben.

Während du noch in den Trümmern nach deiner Familie suchst kommt eine Truppe SPler daher und erklärt dir, dass du hier nicht willkommen bist, haun dir ein paar in die Pfeiffen und erklären dir, wenn sie dich das nächste mal sehen gibts ein drittes Nasenloch.

Du weißt nicht mal, ob deine Familie überlebt hat, oder nicht. Du bist auf der Flucht und hast nichts bei dir, außer dem, was du am Leibe trägst. Also versuchst du dich zu Verwandten im 2. Bezirk durchzuschlagen. Die baumeln aber schon von diversen Laternenmasten.

Weder die Roten, noch die Schwarzen haben eine Freude mit dir. Also bleibt dir nur mehr die Chance, das Land zu verlassen.

(Jetzt hör ich schon das ewig gleiche Argument: Das ist feige, ich würde für mein Land kämpfen! Für wen? Für die Schwarzen, die dein Haus bombardiert und wahrscheinlich deine Familie ausradiert haben, oder für die Roten, die deinen Bruder, seine Frau und seine 2 Kinder erschossen haben?)

Das einzige was dir einfällt, ist, dich nach Deutschland durchzuschlagen, aber da herrschen mittlerweile ähnliche Zustände, Frankreich erklärt dir, dass sie eh schon genug Ösen aufgenommen haben, Italien hat die Grenze sicherheitshalber schon längst dicht gemacht. Man schickt dich von einem Land ins andere. Keiner hat a Freud mit dir. Nach Monaten bist du dann in (Hausnummer) Finnland. Dort kommst du in ein Flüchtlingsheim, dessen Zimmer kleiner sind als die Gefängniszellen dieses Landes. Du würdest durchaus arbeiten, um deine Situation zu verbessern, aber das darfst du als Asylant ja nicht.

FPK: Die Zahl der Asylwerber, die eigentlich garnicht arbeiten dürfen, ist proportional zur Zahl der Arbeitslosen

Die Sorge um deine Familie macht dich natürlich krank, aber du hast ja nichtmal ein Telefon, geschweige denn einen Computer samt Internet, um herauszufinden, ob es irgend ein Zeichen gibt, dass sie überlebt hätten.

Längst widerlegt, trotzdem noch online.

Längst widerlegt, trotzdem noch online.

Und dann erklären dir geifernde Rechtspolitiker, was für ein übler Schmarotzer du bist, und du dich gefälligst zurück nach Floridsdorf scheren sollst. Und auch große Teile der finnischen Bevölkerung sehen in dir eine wandelnde Greuel, die man lieber gestern als morgen wieder loswerden würde.

"Bevölkerungsaustausch durch Asylgutmenschenlobby". Wenn Leserbriefe direkt der Wahlkampfrhetorik entspringen.

„Bevölkerungsaustausch durch Asylgutmenschenlobby“. Wenn Leserbriefe direkt der Wahlkampfrhetorik entspringen.

Wenn dann noch ein Spendenaufruf kommt, dass man dir und deinen Leidensgenossen vielleicht an Fernseher oder einen Computer, der nicht mehr gebraucht wird, überlassen soll, dann ist das Maß endgültig voll. Die Revolverblätter ereifern sich über den unsäglichen Luxus, in dem die österreichischen Asylanten in Finnland schwelgen, die einen fordern, dass du sofort zurück nach Österreich geschickt wirst, den anderen schwebert gleich noch eine viel endgültigere Lösung vor.

1000 Likes von Leuten, die garantiert nicht spenden

1000 Likes von Leuten, die garantiert nicht spenden

Und eigentlich willst du ja zurück nach Österreich, nur, auch wenn dort nicht mehr so viel geballert wird, hast du dort ebenfalls keine Existenz mehr und siehst dann jeden Tag die Leute, die deine Familie getötet haben. Die dir dann noch im Vorbeigehen sagen: Scheiße, dich hamma damals übersehen. Bei der nächsten Säuberungswelle bist dran, Hawara.

Bevor man also Leuten, die nichts als das nackte Leben mehr besitzen, Dinge neidet, die für uns alle selbstverständlich sind, sollte sich jeder mal selbst in die Situation hineindenken.

Ich will auch nichts schönreden. Natürlich gibt es auch Asylmissbrauch und Asylanten, die sich nicht so verhalten, wie wir es gerne hätten. Aber man kann und soll einfach nicht alle in einen Topf werfen. Und dieser unglaubliche Neid, der aus manchen Postings heraustrieft, geht mir massiv auf die Eier!

„Aber das is unser Steuergeld, das da für die Schmuftler verbraten wird!“

Nur zur Erinnerung: Der heilige Jörg hat dem Steuerzahler mit seinen Hypogschäfteln mehr Kohle gekostet, als alle Asylanten von den 50er Jahren bis ins Jahr 2275, aber das vergisst man halt schnell….

Die Erinnerung an Hetze, Umgang mit Missliebigen, und "Kärnten wird reich" wird wohl noch länger andauern

Die Erinnerung an Hetze, Umgang mit Missliebigen, und „Kärnten wird reich“ wird wohl noch länger andauern

AMEN!

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(*) Wir haben uns erlaubt, einige Verweise auf aktuelle Geschehnisse mit verlinkenden Bildern zu erläutern.

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