Über zu Propagandazwecken verallgemeinerte Zitate

Das heutige Zitat haben wir uns eigentlich eh schon vor langer Zeit vorgenommen, aber anscheinend ist immer etwas dazwischen gekommen. Jetzt schneit die Angelegenheit in unseren Nachrichtenstrom rein, also ran ans Werk:

Und es begab sich, dass ein Mitglied der offenen FB-Gruppe Rassismus darf kein Wählermagnet sein! nicht glauben wollte, dass folgendes Foto „echt“ sei:

"Kriminelle Ausländer haben hier nichts zu suchen"

„Kriminelle Ausländer haben hier nichts zu suchen“

Denn tatsächlich hat der besteste Umfragenkaiser und Wahlnichtgewinner (Anmerkung: gewonnen hat man dann, wenn man die meisten Stimmen hat) des Landes dieses Schlagzeilenfoto am 6.4.’13 auf seine Seite geknallt

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und darf sich seitdem einer beachtlichen Aufmerksamkeit erfreuen. Immerhin wird dort noch immer kommentiert.

Warum der Mann allerdings im Jahre 2013 eine Schlagzeile aus dem Jahr 2008 ausgraben muss, ist uns nicht auf Anhieb ersichtlich.

Damals war dieser Herr Jürgens jedenfalls hauptberuflich damit beschäftigt, seine damals neue Langspielplatte zu promoten, die möglicherweise eventuell garnicht von kriminellen Ausländern handelte – der Titel „Einfach ich“ lässt oberflächlich betrachtet nicht darauf schließen – aber es darf ja jeder alles erzählen, solange es auch nur irgendjemanden interessiert, oder sich irgendjemand höhere Verkaufszahlen verspricht, oder irgendjemand dann den Dreck kauft, weil jemand was geschrieben hat, von dem er denkt, es ergäbe höhere Auflagen. So auf die Art halt.

So ist das Artikulationsdrama nachzulesen in

Immerhin kommt im Text das Zitat noch fast so vor, wie es tatsächlich gesagt wurde,

Wenn ein 70-jähriger Mann am Bahnhof grundlos zusammengeschlagen wird und hinter noch gebrüllt wird ‚Scheiß Deutscher‘, da wird eine Gesinnung ausgedrückt, wo man nur sagen kann (…): Du hast in diesem Land nichts verloren.“

und ein Filmschnippseldienstleister verfügt sogar noch über eine Aufzeichnung in Bild und Ton

Es geht um eine unglaublich ernste Frage. Wenn ein 70-jähriger Mann am Bahnhof grundlos zusammengeschlagen wird und hinterher noch gesagt wird, „Scheiß Deutscher“, nachgebrüllt wird, „Scheiß Deutscher“, dann wird dadurch eine Gesinnung ausgedrückt, von der man wirklich sagen kann, „Scheiß Deutscher“ UND Gewalt gegen einen alten Mann, als junger Mensch hast du in dem Land nichts verloren.

Das „Scheiß Deutscher“ ist für mich der fast noch schlimmere Satz als die Handlung der Gewalt.

um dann weiter von Erziehungscamps und Lagern zu phantasieren und schließlich mit der Auslandstrumpfkarte zu argumentieren

Wir könnten das in der Türkei oder in Ägypten, wenn wir so eine Aktion setzen würden, dann würden wir nicht nur des Landes verwiesen, sondern wir würden da in einem Gefängnis sitzen, aber wie.

Die originale Print-Version der Schlagzeile ist glücklicherweise bei oben verwiesenem Münzi in aller Pracht zu begutachten

udo jürgens kriminelle ausländer 3

Zusammenfassung: Herr Jürgens hat die Schlagzeile zwar nicht wortwörtlich formuliert, vor allem aber hat er nicht die Abschiebung aller kriminellen Ausländer gefordert,  sondern vielleicht nur derer, die „Scheiß Deutscher“ sagen, aber das, was er drumherum wirklich gesagt hat, lässt einen rechten Wahlkämpfer hocherfreuen, auch wenn’s nicht um Ausländerfeindlichkeit geht.

Das hätte es auch schon sein können, wenn nicht ein erstaunlicher Magazinbetreiber der Meinung gewesen wäre, es wäre seine Aufgabe, besagten obigen Leidernein zu verteidigen, wogegen auch immer

Mimimi

Mimimi

Gemäß der FPÖ-Diktion, nach der Nichteffpeöh-Mitglieder immer als Linksextreme bezeichnet werden, und Kritik an der Effpeöh immer als Hetze zu bezeichnen ist, und gemäß erstaunlicher Tradition, nicht zusammenhängende Dinge durch Erwähnung in 1 Artikel zusammenhängen zu lassen, braucht man 6 Absätze und einen unverpixelten Screenshot, um die wahre Diffamie der Linksextremen aufzudecken, und ihnen auch noch Rechercheunfähigkeit zu unterstellen.

Mimimi (Forts.)

Mimimi (Forts.)

Also, ein Hoch auf die akribische Genauigkeit!

Strache als Lügner? Naaaaa

Parallelen mit Hitler? Echt jetzt?

udo jürgens kriminelle ausländer 6

Auf der Suche nach der Parallele

 

Inhaftierung? Hihihi

Und auch sonst ist besagter Herr sonst in seiner Argumentation recht gefängnisaffin, wie das eingeforderte Googlen aufdeckt.

Um es kurz zu machen: Wären wir jemand, den der erstaunliche Blogger seiner Meinung nach verteidigen müsse, dann würden wir denjenigen bitten, doch bitte selbst die Rechercheakribie zu intensivieren, oder es einfach bleiben zu lassen. Zum Glück wurden wir noch von der Notwendigkeit verschont.

Das hätte es auch schon sein können, wenn die Affäre Freiheitliche und Udo Jürgens so einfach gestrickt wärate. Issabanicht! Wir erinnern uns:

Seit 2007 ist Herr Jürgens nämlich auch Schweizer Staatsbürger, und verstößt somit gegen das freizeitliche Doppelstaatsbürgerschaftsverbot, und die von der APA festgehaltene Aussage

„Geprägt durch meine österreichische Heimat, die deutschen Wurzeln meiner Eltern und nun auch durch die schweizerische Staatsbürgerschaft, fühle ich mich umso mehr als europäischer Kosmopolit“, so der Entertainer.

untergräbt die freizeitliche Anti-EU-Stimmung und ihre idealisierte Sicht der schweizerischen Reinheitsgelüste, die der Neo-Helvete naturgemäß ganz anders sieht

“Das hat mich schockiert und tief enttäuscht”, sagte der 79-Jährige der “Bild”-Zeitung vom Dienstag. “Europa ist die beste Idee, die dieser Kontinent seit tausend Jahren hatte. Ich habe mich nach der Entscheidung für die Schweiz geschämt.”

Tja, Scham gegen Volksentscheide bringen hierzulande gleich zwangsläufig das Attribut Nestbeschmutzer ein, gefolgt von einer Schulterschlussforderung.

Der oben besprochene Satz aus 2008 brachte dem Sänger immerhin einen Eintrag auf der rechten Wikipediasimulation ein. Welch Ehre!

Und als im Jahr 2010 Udo Jürgens dem nationalen Herzausschüttermagazin sein Herz ausschüttete, und dem Herzen die Worte entfleuchten

Was in Kärnten vor einigen Jahren begonnen wurde, muss der österreichische Steuerzahler zurückerstatten. Das ganze Land leidet daran. Bayern wurde hineingezogen. Wir dürfen nicht vergessen, wer all das angerichtet hat. Und trotzdem herrscht dort weiter die posthume Heldenverehrung. Es ist furchtbar. Man muss sich bei Österreich dafür entschuldigen, was in diesem Land geschehen ist. Ich fürchte, dass die Kärntner noch immer nicht wissen, was dort passiert ist.

Das konnte sich einer der damals führenden posthumen Heldenverehrer (ja genau, der „Kröten“-Scheuch) natürlich nicht gefallen lassen, und investierte zumindest 3 OTS-Aussendungen in seinen aufgepudelten Zorn

28.1.’10 FPK – KO Kurt Scheuch fordert von Udo Jürgens die Rückgabe der höchsten Auszeichnung des Landes Kärnten

„Jemand, der dadurch Schlagzeilen macht, indem er über sein Heimatland herzieht, ist nicht mehr würdig, Träger der höchsten Auszeichnung des Landes Kärnten, zu sein“

29.1.’10 FPK – KO Kurt Scheuch: Udo Jürgens soll Steuern wieder in Österreich zahlen!

„Anstatt über Jörg Haider und Kärnten zu schimpfen, sollte der steuerflüchtige Udo Jürgens, der ja sagt, dass er seine Heimat liebt, einen kleinen Beitrag leisten und seine Steuern wieder in Österreich entrichten“.

13.3.’10 FPK-KO Kurt Scheuch: Udo Jürgens hat sich bei den Kärntnern für seine Entgleisungen zu entschuldigen

in Kärnten stellen sich die Politiker demokratischen Wahlen, und werden vom Wähler und nicht von Udo Jürgens, der schon längst nicht mehr wahlberechtigt ist, weil er seiner Heimat den Rücken gekehrt hat, ihre politische Arbeit beurteilt bekommen.

Tja, und zwei Jahre später hat der Steuerflüchtlingsfahnder ein Beleidigungsverfahren am Hals – auch SdR vermeldet interessante Aspekte – und noch ein Jahr drauf outet er sich mit der peinlichsten Wahlkampfeinlage aller Zeiten als der einzig wahre posthume Heldenverehrer, in dem er dem toten Doktorhaider einen Brief schreibt, und ihn aus Versehen an die Öffentlichkeit schickt. Der Held konnte da aber auch nichts mehr richten, denn der demokratische Wähler hat’s endlich durchschaut.

Und die FPK-Episode ist deshalb relevant, weil der ehemalige Ex-Chef des Heldenverehrers nach Re-Fusion mit der Vorvorgängerpartei für den Bäpöoh heute im Bundesrat sitzt. So dreht sich die Geschichte im Kreis.

Was natürlich auch garnicht geht, ist Kritik an der Partei oder ihren Darstellern, wobei uns in Bezug auf Hrn. Jürgens noch keine Titulierung als linksextrem oder Hetzer (s.o.) bekannt ist.

Udo Jürgens bekommt es angesichts der Bestellung von Barbara Rosenkranz zur FPÖ-Präsidentschaftskandidatin „schon mit der Angst“ zu tun. Im Gegensatz zur rechtsextremen Szene in Deutschland sei „die Situation in Österreich wesentlich bedrohlicher. Denn, dass eine „vermeintlich liberale Partei sich am äußersten rechten Rand befindet“, sei ein einzigartiges Phänomen in Europa.

Im Rahmen des diesjährigen Songcontestgezerres schlug das Jürgenspendel der Partei wieder in die Gegenrichtung aus:

Die Reaktion der FPÖ war wieder einmal symptomatisch. Ihr EU-Spitzenkandidat Harald Vilimsky meinte nur kühl, ihm sei Udo Jürgens lieber, weil dieser Deutsch singe. Wie sein Parteikollege Andreas Mölzer, der sich mit rassistischen Äußerungen und unpassenden NS-Vergleichen selbst ins Aus manövrierte, hat auch Vilimsky nicht verstanden, wohin Europa geht.

schreibt diepresse.com. Und auch

[…] ging der freiheitliche Spitzenkandidat Harald Vilimsky auf Distanz: Musikalisch sieht er sich eher auf einer Linie mit Udo Jürgens, selbst einst Songcontest-Sieger. Und ihm gefällt nicht, dass kein deutsches Lied gesungen wurde. Außerdem kritisierte er, dass der ORF die Künstlerin überhaupt nominiert hatte, ohne das Publikum vorher zu befragen.

Da konnte es der geschätzte Herr Wolf nicht sein lassen

Armin_Wolf_on_Twitter_Übrigens,_auch_Udo_Jürgens_wurde_1966_nicht_durch_ein_Publikumsvotum_zum_#esc_entsandt,_Herr_Vilimsky._-_2014-11-22_22.29.59.crop

 

Oft sind die Dinge komplizierter, als sie auf den ersten Blick kompliziert erscheinen 😀

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