Über die Zahltage

Wahltag ist Zahltag„, oder auch „Tag der Abrechnung„, oder auch „Duell um [beliebige Stadt/beliebiges Land einsetzen]“, poltert es gerne von blauer Seite aus, wenn es wieder darum geht, um die Stimme des Souveräns zu buhlen, auf dass er dieselbe abgebe, und zwar an den richtigen natürlich, an den einzigen, der seit gefühlten 20 Jahren mit dem ewiggleichen Gesicht vom Plakat runtergrinst, und immer das werden will, was gerade zur Vergabe ansteht. Oder mit der Gesichtsvorlage für den wirbt, der werden will, aber nicht ohne visuelle Merkhilfe werden würde, weil ihn niemand (er)kennen täte.

Und seit diese sozialmedialen Dingsn in aller Munde und aller Tastaturen sind, wird auch dort geworben. „Bitte unterstützt die Seite mit einem Gefällt mir“, scheint es dann aus den Aftervasallenseiten heraus, die – freiwilligst natürlich, ohne dass das irgendjemand im Hintergrunde koordinieren würde – just vor einer Wahl den braven Staatsbürger über den geographischen Reichtum unserer Heimat aufklären, und uns selbst vom kleinsten Oaschkaff die sozialmediale Seite irgendeiner Ortspartei andrehen wollen.

So wurde im Falle GRW Niederösterreich verfahren, und all der Aufwand brachte den Blauen schließlich 7,74% der Stimmen (ja, weniger als 8%!), was dort als großer Erfolg gefeiert wurde.

Böswillige würden nun darauf hinweisen, dass einst der Erfolg von 8,21% bei der ebendortigen Landtagswahl zum Rücktritt der Landeschefin führte, an den ebendieselbe zuerst nicht dachte, dann ausschloss, ehe sie dann in den Nationalrat zurückgetreten wurde. Aber wer sind wir schon, dass wir fordern, nur mit einerlei Maß zu messen.

Ähnlich wird gerade die Steiermark beworben, da auch dort in Kürze Gemeinderatswahlen anstehen. Und angesichts der Vorgabe aus der letzten Wahl wird auch hier ein Stimmengewinn nicht auszuschließen sein.

Doch was war mit Kärnten? Niiiichts! Funkstille!! Keine Bewerbung, keine Ankündigung, kein Gaarnichts! Als wäre Kärnten nicht existent, oder auf einem andern Planeten. (In Erinnerung an die Tatsache, dass dort ein Toter eine Wahl gewonnen hat, könnte man das auch wirklich annehmen.) Kein Wahlumfräglein, kein Piepschen.

Selbst am Wahltag erinnerte der beste Bäpäoh der Landes seine Anhängerleins nicht daran, doch bitteschön das Kreuzerl an der ihm genehmen Stelle zu machen.

Hat HC Strache auf den Wahltag in Kärnten vergessen?

„Das kann ja mal vorkommen“, wenn man mehrmals wöchentlich Selfies von Bällen machen muss, um seinen Einsatz im Dienste und zum Wohle des Bürgers zu illustrieren. Immerhin war er gerade nicht auf Skiurlaub.

Und so erfahren wir eigentlich rein zufällig im gerne als Rotfunk gescholtenen Rundfunk die Nachricht, wie auf dem Planeten Kärnten die Wahlen ausgegangen sind.

Gemeinderats  und Bürgermeisterwahlen 2015 Kärnten vom 01.03.2015 um 17.05 Uhr   ORF TVthek.oberdrauburg

Oberdrauburg; screenshot: tvthek.orf.at

Gemeinderats  und Bürgermeisterwahlen 2015 Kärnten vom 01.03.2015 um 17.05 Uhr   ORF TVthek.kötschach-mauthen

Mauthen; screenshot: tvthek.orf.at

Gemeinderats  und Bürgermeisterwahlen 2015 Kärnten vom 01.03.2015 um 17.05 Uhr   ORF TVthek.zell

Zell; screenshot: tvthek.orf.at

Gemeinderats  und Bürgermeisterwahlen 2015 Kärnten vom 01.03.2015 um 17.05 Uhr   ORF TVthek.lesachtal

Lesachtal; screenshot: tvthek.orf.at

Gemeinderats  und Bürgermeisterwahlen 2015 Kärnten vom 01.03.2015 um 17.05 Uhr   ORF TVthek.teilergebnis

Kärnten; screenshot: tvthek.orf.at

Gemeinderatswahlen Kärnten 2015   news.ORF.at

Gemeinderatswahlen Kärnten 2015; screenshot: news.ORF.at

Und so titelte der (ehschowissn, linkslinke) Standard mit „Starke Verluste für FPÖ in ganz Kärnten“ und die – im Zweifelsfall ebenfalls linkslinke – krone.at „Kärnten-Wahlen: SPÖ als klarer Sieger“ und legte mit „Große Sieger und große Verlierer im ganzen Land“ nach.

Ausgerechnet in Himmelberg, der Heimatgemeinde von Haiders Nachfolger als Landeschef, Altlandeshauptmann Gerhard Dörfler, stürzte die FPÖ etwa von 28,84 auf 14,77 Prozent ab, heißt es hier, was den Schöpfer des Satzes „ich stelle in der Bevölkerung auch eine Dörfler-Sehnsucht fest“ wohl einigermaßen erschüttern dürfte – viel mehr noch, wenn er denn einst denselben Bundesrat verlassen muss, in den er entsorgt wurde, den er einst abschaffen wollte.

Die FPÖ erreichte knapp 18 Prozent ein landesweiter Trend nach unten hatte sich abgezeichnet, heißt es dort.

Jetzt müssen wir noch auf ein Detail bei der Wahlberichterstattung hinweisen: Es gibt einen Wahlschluss, das ist der Zeitpunkt, zu dem die letzten Wahllokale schließen (manche schließen schon früher). Vor dem Wahlschluss darf kein Wahlergebnis an die geschätzte Öffentlichkeit dringen, um diese nicht zu beeinflussen. Allerdings erhalten Parteien und Lügenpresse (so werden neuerdings alle traditionellen Medien genannt, die nicht so berichten, wie es das Volk gerne hätte) vorab Informationen über ausgezählte Sprengel, und können so den Wahlausgang grob vorhersehen.

Und in Anbetracht dieses Umstands, und in Anbetracht des Wahlschlusses um 16 Uhr (glauben wir uns erinnern zu können), ist doch doch erstaunlich, dass die Medialbetreuer der Bäpäoh-Seiten es erst um 20:51 bzw. 20:53 schafften, seine Anhängerleins über seinen Wahlsieg zu berichten.

"Gratulation allen gewählten Freiheitlichen Bürgermeistern"

„Gratulation allen gewählten Freiheitlichen Bürgermeistern“

- same -

– same –

und um 21:57 legt man noch nach

"das beste FPÖ-Ergebnis bei GR-Wahlen in Kärnten..... 19 FPÖ-Bürgermeister wurden auf Anhieb gewählt"

„das beste FPÖ-Ergebnis bei GR-Wahlen in Kärnten….. 19 FPÖ-Bürgermeister wurden auf Anhieb gewählt“

Puh!

Lesen wir nämlich bei der allwissenden Müllhalde nach, so finden wir dort geschrieben

Die FPÖ hatte [2003] stark verloren und war mit Verlusten von 6,9 Prozentpunkten nur noch auf 19,1% der Stimmen gekommen. Die 21 Bürgermeister der FPÖ wechselten im Zuge der Parteispaltung zum BZÖ

und anderswo

Etwas komplizierter stellt sich der Vergleich bei der FPÖ dar, die 2009 noch unter FPK/BZÖ antrat und 28 Gemeindechefs stellt. […] FPK/BZÖ mit 30,94 Prozent […]

Die FPÖ erreichte [2015] 17,96 Prozent der Stimmen – 2009 erreichte das BZÖ 30,94 Prozent.

Uff. Nicht nur, dass künftige Generationen von Historikern die Partei wegen ihres Slaloms FPÖ – FiK – BZÖ – FPK – FPÖ bis in alle Ewigkeit hassen werden, nein, auch dem Durchschnittswähler kann man erfolgreich einreden, dass keine einzige davon mit irgendeiner anderen jemals zu tun hatte! Nur so ist erklärbar, dass ein heutiges Wahlergebnis, das unter einem vergangenen Wahlergebnis liegt, bei dem schon verloren worden war, das beste Wahlergebnis aller Zeiten ist.

Voilà, die Prophezeiung vom Jahr der Partei hat sich soeben erfüllt! Und wer will sich schon auf die Richtung des Steilfluges streiten, den man gerade erfolgreich bewältigt hat? Na eben.

Dass ein gewisser Herr Kampl, erst kürzlich wegen ungenügender Vergangenheitsbewältigungsfähigkeit aus der FPÖ ausgeschlossen, in seinem Heimatort die absolute Mehrheit gewonnen hat, ist dann nur noch das Zuckerl obendrauf.

Und gemäß dem Spruch, Wer das eine hat, braucht für das andere nicht zu sorgen, freuen sich auch andere mit

"... beweisen von einer Wahl zur nächsten, dass wir Wahlen gewinnen" BGHCneg

„… beweisen von einer Wahl zur nächsten, dass wir Wahlen gewinnen“ BGHCneg

BGHCneg

Minuszugewinne, BGHCneg

Und um zu vermeiden, dass der Timeline-Abend so hässlich ausklingt, schiebt man noch eine Umfragegraphik nach, die aber angesichts der Absenz von Nationalratswahlen in absehbarer Zeit kaum Relevanz hat. Trösten mag sie vielleicht trotzdem. Ein bisserl halt.

Umfrageplatzeins!

Umfrageplatzeins! (hcstrache)

Als ob es auf den Kampf um einzelne Umfrageprozentpunkte ankäme. Viel interessanter wäre doch, wie realistisch die Erreichung des nächsten angekündigten Wahlziels wäre. Übrigens von derselben Zeitung veranstaltet, hihi:

neuwal.com: Wahlumfrage Wien

neuwal.com: Wahlumfrage Wien

Auch alles nicht so, wie man sich das einschlägig wünschen würde.

 

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