Über die Mär vom Dschihadisten

Dschihadisten stehen zur Zeit hoch im Kurs.

Das mögen zwar nicht alle so sehen. Als Lieblingsnachbarn scheiden sie wohl im nichtdschihadistischen Umfeld aus, und im selben Flugzeug mag man vielleicht auch nicht sitzen.

Aber

Medienmacher scheinen total begeistert von ihnen zu sein, solange sie zielgruppengerechte Stories liefern. Da werden Dsch. auf Facebook ausgeforscht, mit ihren Frauen SMS-Interviews geführt, fabuliert und gerätselt, die besten Henkervideos auf Youtube empfohlen, etc etc.

Stimmt die Quote, stimmt die Story. Sie muss nur schön schaurig sein.

Politiker scheinen total begeistert von ihnen zu sein, lässt sich ihre bloße Existenz doch dazu gebrauchen, permanent eine vage Bedrohung aufrechtzuerhalten, die es zu bekämpfen gilt. Und wer böte sich besser als wahrer Bekämpfer an, als jemand, der ohnehin schon unter seinen Anhängerleins als Heilsbringer gilt. Wer nicht über diese gottähnliche Auszeichnung verfügt, der kann nur mehr Geld oder mehr Gesetze verlangen, um so die Ziele der Dsch., nämlich die Einschränkung der sogenannten westlichen Werte und Freiheiten, selbst durch passende Gesetzgebung voranzutreiben.

Dass wir einmal Charlie waren, ist ja auch wirklich schon Ewigkeiten her.

Und wenn sich dann zielgruppenkongruente M. und P. treffen, dann ergibt das gelegentlich schöne Synergieeffekte.

Zum Glück hat diese Einleitung aber nichts mit den nun dokumentierten tatsächlichen Ereignissen zu tun – sie ist versehentlich reingerutscht, untergeschoben, und aus dem Zusammenhang gerissen.

Am 18.2. schockierte heute die zivilisierte Welt

heute.at: Dschihadisten im Gemeindebau

heute.at: Dschihadisten im Gemeindebau

Und jeder, der einmal einen Dsch. persönlich treffen wollte, konnte dies anhand des Fotos des Gemeindebaus und der angegebenen Adresse auch sofort tun.

19.2.’15 06:31 Letztes Update

19.2.’15 09:43 Der Autor bewirbt den Artikel auf Twitter

"Waffen, IS-Fahnen, etc. - Wo?"

„Waffen, IS-Fahnen, etc. – Wo?“

19.2.’15 13:03 wirtschaftsblatt.at bringt eine APA-Meldung, die die Falschmeldung aufdeckt:

Aus offener Handyrechnung wird falscher „Jihadisten-Alarm“ in Wien

WEGA und Verfassungsschutz durchsuchten die Wohnung, fanden aber keine Hinweise auf terroristische Aktivitäten. Die Bewohner waren nicht anwesend.

Die Eingangstür zu der Wohngemeinschaft war wegen einer nicht bezahlten Handyrechnung geöffnet worden. Der Gerichtsvollzieher erblickte im Vorraum die Fahne und trat sofort den Rückzug an, berichtete ein Polizeisprecher am Donnerstag. Bei der Aufschrift dürfte es sich zwar um einen Text mit religiösem Inhalt handeln, allerdings nicht um islamistische Botschaften, wie sich später herausstellte. Außerdem wurden weder Schwerter oder Maschinenpistolen noch sonstige Waffen entdeckt, sagte der Sprecher zu einem Bericht der Gratiszeitung „Heute“ (Donnerstagausgabe).

19.2.’15 (ohne Zeitangabe) contra-magazin.com berichtet über die Falschmeldung:

Österreich: Gratisblatt “Heute” erfindet Jihadisten-Story

Das österreichische Gratisblatt „Heute“ übte sich hinsichtlich eines kleinen Aufmachers offenbar in einer Phantasiegeschichte. Joachim Lielacher, der Autor der Geschichte, verließ sich dabei offenbar auf die Gerüchteküche, anstatt den Polizeibericht abzuwarten. Die Jihadisten-Story erwies sich als unwahr.

Die aufgebauschte und an den Haaren herbeigezogene Geschichte erwies sich als Mücke die zum Elefanten gemacht wurde.

19.2.’15 13:21 Der Autor korrigiert die Meldung, aber nicht den Artikel

"Bestätigung" für den Einsatz, aber sonst nichts

„Bestätigung“ für den Einsatz, aber sonst nichts

19.2.’15 13:59 vienna.at

Gerichtsvollzieher schlägt Alarm: Vermeintliche „Terroristen-Wohnung“ gestürmt

19.2.’15 17:04 FPÖ Fails berichtet

FAKT ist, dass man diesen Burschen keine Nähe zur IS nachweisen konnte, und weder IS-Fahnen noch Maschinengewehre gefunden wurden, zudem auch niemand verhaftet wurde.

FAKT ist nun aber auch, dass auf den Seiten von FPÖ-Politikern Hetze betrieben wird, Güterwagons und Abschiebungen empfohlen werden. Dass massiver Rufmord gegen junge arbeitende Burschen betrieben wird!

19.2.’15 18:09 kobuk berichtet

"Eins muss man den Gratisblättern lassen: Sie sind jeden Cent wert."

„Eins muss man den Gratisblättern lassen: Sie sind jeden Cent wert.“

und weist darauf hin, dass der Artikel um 18:26 noch immer unverändert auf heute.at steht. Das tut er übrigens noch immer.

Man kann also davon ausgehen, dass Nachrichtenkonsumenten, die sich tagsüber auf dem Laufenden halten, irgendwann zwischen 12:00 und 13:30 Uhr davon erfahren haben, dass die heute-Story die Wirklichkeit womöglich nicht korrekt wiedergibt.

Das stört aber die selektiven Nachrichtenfilterer wenig, die sofort eine blaue Propagandawelle durch das Fäßbuck schwappen lassen.

19.2.’15 10:11 Pegida Wien (139 Likes, 44 Shares, ca. 50 lesenswerte Comments)

19.2.’15 10:26 FPÖ-Lichtenwörth teilt von Pegida Wien

19.2.’15 13:31 Seite FPÖ Wien

"Wieder so ein Einzelfall - bärtige Männer!"

„Wieder so ein Einzelfall – bärtige Männer!“

Wiewohl die Seite „FPÖ-Wien“ heißt, behauptet sie trotzdem, nur die „Facebook-Seite (Fanseite, KEINE Offizielle) der Freiheitlichen Partei Österreich (FPÖ) – Landesorganisation Wien“ zu sein.

19.2.’15 13:31 Seite FPÖ teilt den Link von FPÖ Wien (50 Likes, 3 Shares, einige Kommentare)

Wiewohl die Seite „fpoebund“ heißt, behauptet sie trotzdem, nur die „Facebook-Seite (Fanseite, KEINE Offizielle) der Freiheitlichen Partei Österreichs (FPÖ)“ zu sein. Heißt das, dass die FPÖ keine eigene Parteiseite hat?

19.2.’15 13:32 Heinz-Christian Strache (151 Likes, 12 Shares, zahlreiche Kommentare, die über die Falschmeldung aufklären)

"Irre! Mitten unter uns!

„Irre! Mitten unter uns!

Das Posting (14:17) auf der Seite HC Strache wurde mittlerweile wieder gelöscht.

19.2.’15 13:50 FPÖ Lanzenkirchen teilt von der FPÖ-Seite

19.2.’15 13:52 Johann Gudenus (273 Likes, 44 Shares, ca. 80 Comments)

"Der islamistische Terror ist längst in Wien angekommen!"

„Der islamistische Terror ist längst in Wien angekommen!“

Freunden einer derberen Ausdrucksweise seien übrigens die Kommentare, die bei Herrn Gudenus üblicherweise hinterlassen werden, zur Lektüre empfohlen. Wir wissen auch nicht, warum manche Leute meinen, dort diverseste Grausigkeiten abzusetzen

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Unter den Teilenden befindet sich die FPÖ Bärnbach und anständige Bürger

Flieger, Meer, der Rest ergibt sich schon

Flieger, Meer, der Rest ergibt sich schon

Insgesamt wurde der Artikel bis heute 2.220 Mal in der Mobilversion und 698 in der Vollversion geteilt.

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FB Graph API Abfrage

 

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FB Graph API Abfrage

 

Am Ende des Tages bleibt also ein unkorrigierter Artikel, sowie viele viele Teilungen, und nirgendwo (mit 1 bekannten Ausnahme) hat anscheinend einer der Teilenden die korrigierenden Kommentare gelesen und/oder verstanden und/oder Konsequenzen daraus gezogen.

Und so bricht ein neuer Tag an, und das Werkl ist unaufhaltbar am Laufen. Wozu auf die reale Wirklichkeit eingehen, wenn die eigene doch grad so passt?

Und so wird per OTS, damit es schön amtlich klingt, die Behauptung, die tags zuvor widerlegt wurde, erneut aufgestellt und als Faktum zementiert. Wer erinnert sich schon daran, was gestern war? Gut angelegtes Steuergeld also.

20.2.’15 12:18 ots.at: Guggenberger: Stadtregierung muss Islamismus-Gefahr endlich ernst nehmen!

Nachdem IS-Nest am Margaretengürtel ausgehoben wurde, muss Alarmstufe Rot herrschen

IS-Fahnen, Maschinenpistolen, Chemikalien und Drogen – was die Spezialisten der Polizei in einer Wohnung in einem Margaretener Gemeindebau entdeckten, lässt nur einen Schluss zu: Es handelt sich um ein Terror-Nest. […]

Rückfragen & Kontakt:

Klub der Freiheitlichen, Pressestelle

Die Kampagne ließe sich sogar noch ausbauen. Wer weiß, man könnte ein Flugblatt produzieren, das die arme bedrohte Bevölkerung auf die Gefahr in der Nachbarschaft hinweist! Aber wer soll denn das machen?

Herausgeber: FPÖ Wien: "Gegen Terror in Margareten"

Herausgeber: FPÖ Wien: „Gegen Terror in Margareten“

27.2.’15 08:42:08 Erstellungsdatum des Flugblattes laut Metadaten in der Bilddatei.

Also: Über eine Woche, nachdem eine Falschmeldung als solche entlarvt wurde, stellt die FPÖ Wien ein Flugblatt her, das beispielsweise auf der Startseite der FPÖ Margareten stolz präsentiert wird, das sich auf dem Inhalt besagter Falschmeldung aufbaut.

Und zwar nicht nur elektronisch: wie man hört, wurde dieses Flugblatt auch ausgedruckt und in Wien Margareten verteilt. Was das den Steuerzahler wieder gekostet hat?

Und weil Leute Leute kennen, die wem kennen, und mit Leuten reden, wurde zwischenzeitlich ein Interview mit dem Leidernein-Dsch. geführt, das die Ereignisse des Dsch.-Alarm-Tages im Detail schildert.

Aber diese nette Home Story hätte doch das ganze Kampagnisieren nur gestört…

Und weil die Einleitung schon nichts mit dem Artikel zu tun hat, soll der Schluss gefälligst auch zusammenhangslos sein.

jusline.at: § 276 StGB Verbreitung falscher, beunruhigender Gerüchte

(1) Wer ein Gerücht, von dem er weiß (§ 5 Abs. 3), daß es falsch ist, und das geeignet ist, einen großen Personenkreis zu beunruhigen und dadurch die öffentliche Ordnung zu gefährden, absichtlich verbreitet, ist mit Freiheitsstrafe bis zu sechs Monaten oder mit Geldstrafe bis zu 360 Tagessätzen zu bestrafen.

(2) Hat die Tat

  1. eine schwere oder längere Zeit anhaltende Störung des öffentlichen Lebens,
  2. eine schwere Schädigung des Wirtschaftslebens oder
  3. den Tod eines Menschen oder die schwere Körperverletzung (§ 84 Abs. 1) einer größeren Zahl von Menschen zur Folge oder sind durch die Tat viele Menschen in Not versetzt worden,

so ist der Täter mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren zu bestrafen.

Jetzt sollte man halt wissen, ob das tägliche Bombardement mit antimuslimischen Inhalten eine anhaltende Störung verursacht.

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4 Antworten zu Über die Mär vom Dschihadisten

  1. Angela Hablova schreibt:

    ich kenne diese Leute die dort wohnen. ich War mal mit dem Mann verheiratet dem das Schwert oder wie man es nennen mag gehört.
    Er ist ein vernünftiger Mann. Er plant nichts böses und ist gegen die IS.
    wenn Ihr jemanden beschuldigt dann bitte die Medien. wie kann man einen guten Menschen der ordentlich seine Arbeit verrichtet jeden Freitag in Moschee geht als radikal da stehen lassen…

    • lagushkin schreibt:

      Werte Angela,
      wir wurden auf die Geschichte durch eine andere Person, die den Mann kennt, aufmerksam. Es geht hier um die Chronologie der Eskalation einer Falschmeldung. Nirgendwo wird der Mann beschuldigt, sondern diejenigen, die diese Falschmeldung – wider besseres Wissen – verbreiten.

    • Fritz schreibt:

      Also wer in die Moschee geht kann natürlich nur ein guter Mensch sein…

      Ehemaliger Imam: Alle dänischen Moscheen werden von Extremisten betrieben

      hmed Akkari besuchte eine öffentliche Schule und war der einzige Migrant in der Klasse. Er hatte alle Möglichkeiten der Welt sich anzupassen und ein normaler Däne zu werden. Aber als Teenager schloss er sich religiösen Kreisen an und bevor er merkte was geschehen war, war er vom Gift des Extremismus befallen worden.

      Die Wahrheit ist, dass es nicht eine einzige Moschee oder muslimische Organisation in Dänemark gibt, die nicht von Islamisten betrieben wird. Sobald man das Haus der Gläubigen betritt, trifft man auf den Islamismus, ob man es will oder nicht. Sobald man zum gläubigen Muslime geworden ist, ist man vom Extremismus infiziert worden

      sagt Ahmed Akkari.

      Er begann eine Ausbildung als Imam und plötzlich verachtete er Demokratie und Meinungsfreiheit. Allah und ein Leben nach dem Tod wurden zu seinen einzigen Gedanken.

      http://europenews.dk/de/node/70850

      Aber in Ö. ist natürlich alles anders!Ehrlich!

      ps:Natürlich saugen sich die Zeitungen viel aus den Fingern-aber ich wette Herr Lagushkin hat auch den Müll geglaubt das bei einer Pegida Demo Hitlergrüße gezeigt wurden,nicht wahr?War zwar der „Rütlischwur“ und es ging in der Rede auch darum aber wenn die Lüge passt belässt man es auch dabei,nicht wahr?

      • lagushkin schreibt:

        Die Pegida-Demos in Linz waren so „erfolgreich“, dass in OÖ Pegida-Demos verboten wurden. In Vorarlberg übrigens auch. Der Warnhinweis in Bezug auf „verbotene Handzeichen“, die man bei einschlägigen Facebook-Events anbringen muss, könnte ein Indiz für die Gründe sein. Oder dass die Teilnehmer auf ihre Nachbarn aufpassen mögen. Der Rütli-Gruß des Herrn Bearth hat übrigens die Veranstalter in Wien ziemlich ins Schwitzen gebracht, weil es doch tatsächlich Teilnehmer gegeben haben soll, die diesen Gruß missverstanden haben. Also nicht gleich alles durcheinanderbringen, Fritz. Bitte auch nicht Dschihadisten der Lügenpresse mit den armen Pegidioten verwechseln.

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