Über Surenhohn und Tötungsaufträge

Der Islam ist gerade in aller Munde, und zwar weil, hmmmm, na weil er eben der Islam ist, und nicht das heimelig-nächstenliebende Christentum, mit oder ohne überspitzt formulierenden Anführungszeichen drumherum, wie sie die an-FührungszeichenPartei so gerne plakativ einsetzt.

Im gerade aufflammenden, weil einschlägig angeheizten, Religionskrieg zwischen vermeintlich guter und vermeintlich böser Religion werden Heerscharen an mutmaßlich besorgten Bürgern und mutmaßlich blauem Stimmvieh über Nacht zu Religionsexperten, wenn sie nicht eh schon anerkannte Islamkritiker waren – egal ob vor Gericht oder nur in der Paddei.

Man zitiert Sure um Sure, um zu belegen, dass die anderen die Bösen sind, als ob die anderen nicht umgekehrt eh auch genau so verfahren täten, wenn sie denn wollten. Und wenn sie wirklich tun, bestätigt sich für die Bösen der Anderen, d.h. die Guten der unsrigen, dass die Anderen eben genau deshalb die Bösen sind.

Als Beispiel für den solcherart praktizierten Surenhohn sei ein Kommentar in der öffentlichen Gruppe zitiert, die sich rein zufällig nach einer Partei benannt hat, in der dort niemand Mitglied sein will, bis auf eine Administratorin, die aber anscheinend nicht administrieren mag, denn sonst täts dort nicht so zugehen, wie es eben zugeht.

"Tötungsaufträge", Gruppe FPÖ, 20.3.'15

„Tötungsaufträge“, Gruppe FPÖ, 20.3.’15

Kernthesen:

  • das Alte Testament ist irrelevant
  • das Alte Testament enthält keine Tötungsaufträge
  • nur die 10 Verbote, fälschlicherweise gerne 10 Gebote genannt, sind als Befehle zu verstehen, und nicht gänzlich unsinnig
  • das Neue Testament reformiert
  • das Neue Testament ermöglicht Freiheit und Humanismus

Einem wahren Christen, der sich schon einmal die so genannte Heilige Schrift vorgenommen hat, wird sich einiges auf Anhieb als grober Unfug darstellen.

1. Das Alte Testament ist irrelevant

Matthäus 5:17-18

17 Ihr sollt nicht wähnen, daß ich gekommen bin, das Gesetz oder die Propheten aufzulösen; ich bin nicht gekommen, aufzulösen, sondern zu erfüllen.

18 Denn ich sage euch wahrlich: Bis daß Himmel und Erde zergehe, wird nicht zergehen der kleinste Buchstabe noch ein Tüttel vom Gesetz, bis daß es alles geschehe.

Nicht nur, dass dieser Jesus sich explizit auf das AT bezieht, nein, auch aus theologischer Sicht ist das AT nicht irrelevant: Wozu den Menschensohn zur Erlösung der Menschheit ans Kreuz nageln lassen, wenn die alttestamentarisch verursachte Erbsünde irrelevant sein soll? Geht nicht.

2. Reform, Freiheit, Humanismus

Man möge doch – mutmaßlichst in Ermangelung eines profunden Geschichtewissens – die Allwissende Müllhalde zum Thema Humanismus befragen. Und dann die spannende Frage erörtern, warum das Neue Testament geschätzte 1.500 Jahre gebraucht hat, um ein antikes (ist gleich prä-christliches!) Konzept wie den Humanismus auszugraben und einer Umsetzung zuzuführen. Und vielleicht auch noch, wie es der neutestamentarische Humanismus verantworten konnte, kontinenteweise indigene Völker zu versklaven oder in christlich-kolonialer Manier auszubeuten.

3. 10 Verbote

Die 10 Gebote wollten wir in anderem Zusammenhang schon einmal behandeln – wird scho wern. Bis dahin sei einfach mal gefragt: Welche dürfens denn sein?

Die Tötungsaufträge

Kommen wir zum lustigsten Teil: Hat schon einmal jemand das Alte Testament gelesen? Von vorne bis hinten? Nein? 😀

Wir nehmen zum Zwecke der Bibelrecherche gern die Skeptic’s Annotated Bible zur Hand, und im Zuge der Klärung der Tötungsauftragsfrage deren Listen Intolerance in the Bible und Cruelty and Violence in the Bible.

Die dort angegebenen Verse suchen wir auf BibleGateway in der Version Luther Bibel 1545 heraus – wir bestehen auf die göttlichen Worte nämlich im Original, und nicht in irgendeiner politicalcorrectness-linkslinker-mainstream-geschönten Hochglanzfassung.

Und schon gehts los:

2 Mose 22

18 Die Zauberinnen sollst du nicht leben lassen. 19 Wer bei einem Vieh liegt, der soll des Todes sterben.

2 Mose 35

Sechs Tage sollt ihr arbeiten; den siebenten Tag aber sollt ihr heilig halten als einen Sabbat der Ruhe des HERRN. Wer an dem arbeitet, soll sterben.

5 Mose 17

Wenn unter dir in der Tore einem, die dir der HERR, geben wird, jemand gefunden wird, Mann oder Weib, der da übel tut vor den Augen des HERRN, deines Gottes, daß er seinen Bund übertritt und hingeht und dient andern Göttern und betet sie an, es sei Sonne oder Mond oder allerlei Heer des Himmels, was ich nicht geboten habe, und es wird dir angesagt, und du hörst es, so sollst du wohl darnach fragen. Und wenn du findest, das es gewiß wahr ist, daß solcher Greuel in Israel geschehen ist, so sollst du den Mann oder das Weib ausführen, die solches Übel getan haben, zu deinem Tor und sollst sie zu Tode steinigen. Auf zweier oder dreier Zeugen Mund soll sterben, wer des Todes wert ist; aber auf eines Zeugen soll er nicht sterben. Die Hand der Zeugen soll die erste sein, ihn zu töten, und darnach die Hand alles Volks, daß du das Böse von dir tust.

12 Und wo jemand vermessen handeln würde, daß er dem Priester nicht gehorchte, der daselbst in des HERRN, deines Gottes, Amt steht, oder dem Richter, der soll sterben, und sollst das Böse aus Israel tun, 13 daß es alles Volk höre und sich fürchte und nicht mehr vermessen sei.

5 Mose 21

18 Wenn jemand einen eigenwilligen und ungehorsamen Sohn hat, der seines Vaters und seiner Mutter Stimme nicht gehorcht und, wenn sie ihn züchtigen, ihnen nicht gehorchen will, 19 so sollen ihn Vater und Mutter greifen und zu den Ältesten der Stadt führen und zu dem Tor des Orts, 20 und zu den Ältesten der Stadt sagen: Dieser unser Sohn ist eigenwillig und ungehorsam und gehorcht unsrer Stimme nicht und ist ein Schlemmer und ein Trunkenbold. 21 So sollen ihn steinigen alle Leute der Stadt, daß er sterbe, und sollst also das Böse von dir tun, daß es ganz Israel höre und sich fürchte.

5 Mose 22

20 Ist’s aber Wahrheit, daß die Dirne nicht ist Jungfrau gefunden, 21 so soll man sie heraus vor die Tür ihres Vaters Hauses führen, und die Leute der Stadt sollen sie zu Tode steinigen, darum daß sie eine Torheit in Israel begangen und in ihres Vaters Hause gehurt hat; und sollst das Böse von dir tun.

22 Wenn jemand gefunden wird, der bei einem Weibe schläft, die einen Ehemann hat, so sollen sie beide sterben, der Mann und das Weib, bei dem er geschlafen hat; und sollst das Böse von Israel tun.

23 Wenn eine Dirne jemand verlobt ist, und ein Mann kriegt sie in der Stadt und schläft bei ihr, 24 so sollt ihr sie alle beide zu der Stadt Tor ausführen und sollt sie steinigen, daß sie sterben; die Dirne darum, daß sie nicht geschrieen hat, da sie doch in der Stadt war; den Mann darum, daß er seines Nächsten Weib geschändet hat; und sollst das Böse von dir tun.

25 Wenn aber jemand eine verlobte Dirne auf dem Felde kriegt und ergreift sie und schläft bei ihr, so soll der Mann allein sterben, der bei ihr geschlafen hat,

3 Mose 20

Und haltet meine Satzungen und tut sie; denn ich bin der HERR, der euch heiligt.

Wer seinem Vater oder seiner Mutter flucht, der soll des Todes sterben. Sein Blut sei auf ihm, daß er seinem Vater oder seiner Mutter geflucht hat.

10 Wer die Ehe bricht mit jemandes Weibe, der soll des Todes sterben, beide, Ehebrecher und Ehebrecherin, darum daß er mit seines Nächsten Weibe die Ehe gebrochen hat.

11 Wenn jemand bei seines Vaters Weibe schläft, daß er seines Vater Blöße aufgedeckt hat, die sollen beide des Todes sterben; ihr Blut sei auf ihnen.

12 Wenn jemand bei seiner Schwiegertochter schläft, so sollen sie beide des Todes sterben; ihr Blut sei auf ihnen.

13 Wenn jemand beim Knaben schläft wie beim Weibe, die haben einen Greuel getan und sollen beide des Todes sterben; ihr Blut sei auf ihnen.

14 Wenn jemand ein Weib nimmt und ihre Mutter dazu, der hat einen Frevel verwirkt; man soll ihn mit Feuer verbrennen und sie beide auch, daß kein Frevel sei unter euch.

15 Wenn jemand beim Vieh liegt, der soll des Todes sterben, und das Vieh soll man erwürgen.

16 Wenn ein Weib sich irgend zu einem Vieh tut, daß sie mit ihm zu schaffen hat, die sollst du töten und das Vieh auch; des Todes sollen sie sterben; ihr Blut sei auf ihnen.

17 Wenn jemand seine Schwester nimmt, seines Vaters Tochter oder seiner Mutter Tochter, und ihre Blöße schaut und sie wieder seine Blöße, das ist Blutschande. Die sollen ausgerottet werden vor den Leuten ihres Volks; denn er hat seiner Schwester Blöße aufgedeckt; er soll seine Missetat tragen.

18 Wenn ein Mann beim Weibe schläft zur Zeit ihrer Krankheit und entblößt ihre Scham und deckt ihren Brunnen auf, und entblößt den Brunnen ihres Bluts, die sollen beide aus ihrem Volk ausgerottet werden.

27 Wenn ein Mann oder Weib ein Wahrsager oder Zeichendeuter sein wird, die sollen des Todes sterben. Man soll sie steinigen; ihr Blut sei auf ihnen.

3 Mose 24

Führe den Flucher hinaus vor das Lager und laß alle, die es gehört haben, ihre Hände auf sein Haupt legen und laß ihn die ganze Gemeinde steinigen.

15 Und sage den Kindern Israel: Welcher seinem Gott flucht, der soll seine Sünde tragen. 16 Welcher des HERRN Namen lästert, der soll des Todes sterben; die ganze Gemeinde soll ihn steinigen. Wie der Fremdling, so soll auch der Einheimische sein; wenn er den Namen lästert, so soll er sterben.

17 Wer irgend einen Menschen erschlägt, der soll des Todes sterben.

Es würde ja noch weiter gehen im Alten Testament, aber zur Illustration sollten die Beispiele einmal reichen. Auch das Neue kann’s:

Römer 1

26 Darum hat sie auch Gott dahingegeben in schändliche Lüste: denn ihre Weiber haben verwandelt den natürlichen Brauch in den unnatürlichen; 27 desgleichen auch die Männer haben verlassen den natürlichen Brauch des Weibes und sind aneinander erhitzt in ihren Lüsten und haben Mann mit Mann Schande getrieben und den Lohn ihres Irrtums (wie es denn sein sollte) an sich selbst empfangen. 28 Und gleichwie sie nicht geachtet haben, daß sie Gott erkenneten, hat sie Gott auch dahingegeben in verkehrten Sinn, zu tun, was nicht taugt, 29 voll alles Ungerechten, Hurerei, Schalkheit, Geizes, Bosheit, voll Neides, Mordes, Haders, List, giftig, Ohrenbläser, 30 Verleumder, Gottesverächter, Frevler, hoffärtig, ruhmredig, Schädliche, den Eltern ungehorsam, 31 Unvernünftige, Treulose, Lieblose, unversöhnlich, unbarmherzig. 32 Sie wissen Gottes Gerechtigkeit, daß, die solches tun, des Todes würdig sind, und tun es nicht allein, sondern haben auch Gefallen an denen, die es tun.

Widmen wir uns noch der Fähigkeit zum interreligiösen Dialog, die den einen Schriften unterstellt, den anderen aber abgesprochen wird:

2 Mose 23

24 so sollst du ihre Götter nicht anbeten noch ihnen dienen und nicht tun, wie sie tun, sondern du sollst ihre Götzen umreißen und zerbrechen.

5 Mose 7

16 Du wirst alle Völker verzehren, die der HERR, dein Gott, dir geben wird. Du sollst ihrer nicht schonen und ihren Göttern nicht dienen; denn das würde dir ein Strick sein.

22 Er, der HERR, dein Gott, wird diese Leute ausrotten vor dir, einzeln nacheinander.

Titus 1

10 Denn es sind viel freche und unnütze Schwätzer und Verführer, sonderlich die aus den Juden,

11 welchen man muß das Maul stopfen, die da ganze Häuser verkehren und lehren, was nicht taugt, um schändlichen Gewinns willen.

Doch aufgepasst, liebe Taufscheinchristen, wenn ihr aus dem obzitierten irgendwelche Fremdenfeindlichkeit herauslesen wollt:

Exodus 22

21 Die Fremdlinge sollst du nicht schinden noch unterdrücken; denn ihr seid auch Fremdlinge in Ägyptenland gewesen.

25 Wenn du Geld leihst einem aus meinem Volk, der arm ist bei dir, sollst du ihn nicht zu Schaden bringen und keinen Wucher an ihm treiben.

Leviticus 19

33 Wenn ein Fremdling bei dir in eurem Lande wohnen wird, den sollt ihr nicht schinden.

34 Er soll bei euch wohnen wie ein Einheimischer unter euch, und sollst ihn lieben wie dich selbst; denn ihr seid auch Fremdlinge gewesen in Ägyptenland. Ich bin der HERR, euer Gott.

Und überhaupt!

1 Johannes 2

15 Habt nicht lieb die Welt noch was in der Welt ist. So jemand die Welt liebhat, in dem ist nicht die Liebe des Vaters.

16 Denn alles, was in der Welt ist: des Fleisches Lust und der Augen Lust und hoffärtiges Leben, ist nicht vom Vater, sondern von der Welt.

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Bibel, Facebook, Islam, Religion veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

3 Antworten zu Über Surenhohn und Tötungsaufträge

  1. Cernunnos schreibt:

    „Wahrlich, ich sage euch: Wer von euch ohne Sünde sei, der werfe den ersten Stein.“ 😉
    Generell muss man sowieso alle Texte im Kontext ihrer Zeit betrachten. Außerdem kann man sich aus jeder „heiligen Schrift“ das herauspicken, was einem selber passt. Habt ihr selber ja auch gemacht. Die Religion ist nie das Problem, nur das, was der Mensch daraus macht…

  2. Paulchen schreibt:

    Zwecks besseren Einblicks würde es bereits genügen, sich die unterschiedlichen Lebenskonzepte von Jesus und Mohammed zu Gemüte zu führen, aber dafür reicht die Zeit oder der Wille des Autors offenbar nicht aus. Schade.

    • lagushkin schreibt:

      Wie Sie richtig bemerkt haben, geht es in diesem Artikel um so genannte „Heilige Schriften“ und ihre Tötungsaufträge.
      Es hält Sie aber niemand davon ab, sich in einem eigenen Blog den „Lebenskonzepten“ literarischer Figuren zu widmen. Fangen Sie mit etwas Leichtem an, wie Hänsel und Gretel, und arbeiten Sie sich langsam zu Jesus vor. Vergessen Sie bei Mohammed nicht auf dessen Himmelfahrt auf Leiter oder Pferd – wie es Ihnen beliebt

Eigenen Gedanken verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s