Über die Lügenpresse

Am 30.7.’15 sah sich die FPÖ-Fanseite Unsere Blaue Seite veranlasst, ihre Anhängerleins mit folgender Nachricht zu schockieren

Unsere Blaue Seite und die Lügenpresse

So versuchen linke Medien punkto Flüchtlinge zu manipulieren 😦
So wurde beim deutschen ,,Westfalen Blatt“ aus Habtom Belane aus Eritrea, der weil er mit seinem 50 Euro Schein nicht zahlen durfte, von einem Busfahrer sehr schlecht behandelt wurde, plötzlich Hassan B.aus Syrien, der einen gefundenen 50er feierlich im Rathaus abgab.
Für beide Inhalte ist für Inhalt und Fotos der Redakteur Burhart Hoeltzenbein verantwortlich.

Endlich werden die Machenschaften der Medien aufgedeckt! Der linken, und der linkslinken, und der Linkslinkengesinnungsterrorgutmenschenmedien obendrein!

Ein Wahnsinn! Wir waren fassungslos!!

Flüchtling übergiebt (sic!) feierlich

Flüchtling übergiebt (sic!) feierlich

Zum linken Artikel wird freundlicherweise ein Link bereitgestellt, zum rechten leider nicht. Sicher nur ein Versehen, das aber auch trotz mehrfacher Nachfrage nicht behoben wurde.

Wo ist der Link?

Wo ist der Link?

Wir haben also keine Möglichkeit, die Quellen direkt zu vergleichen. Also müssen wir mit dem auskommen, was uns hier präsentiert wird.

Nehmen wir den linken Artikel im Screenshot, der sich auch online so präsentiert, wie abgebildet:

  • Datum, Anreißer, Schlagzeile, Foto, Bildunterschrift, Foto-Credits, alles linksbündig, Schriftart „Open Sans“ aus den Google Fonts.

Und nun zum Vergleich der rechte Artikel im Screenshot:

  • Kein Datum, kein Anreißer, Schlagzeile mittig und unterstrichen, Schriftart Arial 16 Punkt.

Auffällige Schreibweisen wie „übergiebt„, „nach dem“ statt „nachdem„, und fehlende Beistriche weisen deutlich auf jede Rechtschreibschwäche hin, wie wir sie von XFBÖ-Badrioten kennen, und wie sie in der FB-Gruppe AK DEUTSCH FÜR FPÖ-ANHÄNGER (und Rinnen) täglich dokumentiert werden. Auch die feierliche Übergabe ist nirgendwo im Netz erwähnt, ebensowenig, was das Rathaus mit der Kohle angestellt hat.

Kommen Redakteure seit neuestem ohne Rechtschreibprüfung aus? Temporäre Aphasie? Lektorat im Dauerkoma?

Diese oberflächlichen Belanglosigkeiten können natürlich aufrechte Badrioten nicht abhalten, in die Empörung einzustimmen, und ihrerseits weitere Lügenpressebelege vorzulegen:

Einkaufen wie Flüchtlinge mit Herz

Einkaufen wie Flüchtlinge mit Herz

Augenscheinlich zur Verwirrung des Publikums ist dieses mal der rechte Artikel der echte, und der linke frei erfunden.

Im echten finden wir wie gehabt die Elemente vor:

  • Titel der Serie, Überschrift, Unterüberschrift, Foto, Fotokommentar, Einleitung.

Im gefälschten wieder einmal unterstrichene Überschrift (das soll wohl die Seriosität steigern, wer weiß?), das ausgelutschte staunte nicht schlecht, und zahlreiche Rechtschreibfehler (falscher Beistrich, Fallfehler, Großkleinschreibung „schenken Obdachlosen deutschen Frau„, Zahlfehler „Afrikaner zukam„, und „Leberkranke“ wäre hier ein Eigenschaftswort und daher klein zu schreiben).

Und die Internetadresse? Es gibt weder ein bergheimertageblatt.de noch ein bergheimer-tageblatt.de.

Schön, wenn ihr eure eigenen Anhängerleins für blöd verkaufen wollt, aber wollt ihr uns alle für blöd verkaufen?

Zur Sicherheit frugen wir noch beim Westfalen-Blatt nach,

werte zeitung, das titelfotos Ihres artikels http://www.westfalen-blatt.de/OWL/Lokales/Kreis-Guetersloh/Versmold/2016410-Fluechtling-hat-dringenden-Termin-im-Jobcenter-und-wird-von-Busfahrer-rausgeworfen-weil-er-kein-Kleingeld-hat-Einfach-stehen-gelassen
wird gerade von rechter seite missbraucht, indem der eindruck erweckt werden soll, das foto wäre auch in einem anderen artikel verwendet worden.

ziemlich wahrscheinlich geht dieser vergleich von deutschland aus, denn ich kann mir nur schwer vorstellen, dass ein fpö-anhänger deutsche regionalzeitungen auf der suche nach stories durchstöbert.
vielleicht haben Sie ja schon mehr infos zu diesem vorfall.
mfgDL

und die Antwort war keineswegs so erstaunlich, wie man befürchten könnte

Guten Tag, danke für Ihre Nachricht. Die Montage, die bei Facebook kursiert, haben uns aufmerksame Leser zukommen lassen. Danke! Wo sie Ihren Ursprung hat, ist bisher nicht bekannt. Über Hinweise freuen wir uns. Viele Grüße aus der Onlineredaktion

Lutz Bachmann andererseits, die Parodie-Seite des dank Hitlerpose in Ungnade gefallenen Pedigaga-Gründers, hat noch 2 weitere erstaunliche Stories gefunden, in denen traumatisierte Asylwerber eine – vermeintlich – positive Rolle spielen: der Fund des Bernsteinzimmers, und der Fund des heiligen Grals! 😀

Ein wenig fühlen wir uns an einen Artikel über den vermeintlichen Geldregen für Einwanderer erinnert, den die Seite Österreichische Freiheitliche Patrioten am 26.7.’15 postete, und mittlerweile gelöscht hat (warum wohl?)

Das Steuergeld anständiger österreichischer Patrioten kommt Einwanderern in Deutschland zugute! Oder so.

Es wird vielleicht nicht überraschen, dass wir nach diesem Kommentar auf der Seite gesperrt wurden.

mimikama berichtet übrigens von einem weiteren Vorfall, bei dem diese Fotos missbraucht wurden, fand aber auch dort die ursprüngliche Quelle nicht. Immerhin werden dort Fragen zusammengestellt, die den Bullshit-Detektor der Rezipienten kalibrieren sollten:

Man erkennt auf den Bildern südländische Kinder sowie Geld und Markenprodukte. Und schon scheint es zu reichen, diese als Asylbewerber zu identifizieren. Woran erkennt man, dass es sich hierbei um Fotos aus Deutschland handelt? Wer sagt, dass die gesamte Bilderreihe (inkl. dem Scheck-Foto) aus einer Serie von Bildern stammt? Sieht man sich diese an, dann merkt man, dass diese Familie sehr groß sein muss, denn auf jedem Foto erkennt man immer wieder andere Kinder.

Lying for Jesus ist eine beliebte Vorgehensweise, wenn es darum geht, die Vorzüge des Christentum unter die Leute zu bringen

Lying for Jesus is a form of pious fraud which happens when some Christians believe that falsifying information is acceptable if that brings people to Jesus or somehow supports his historicity, saintliness or supposed godliness.
The practice has a long and venerable history in the Christian religions.

Das österreichische Pendant dazu heißt augenscheinlich #LügenFürStrache. Eine bei den Haaren herbeiphantasierte Story kann garnicht zu abstrus sein, als dass sie den Anhängerleins nicht doch unter die Nase gerieben wird.

Wozu? Irgendwas wird schon hängen bleiben.

Wenn eine Partei kein anderes Programm hat, als den ewigen Wahlkampf, und der ewige Wahlkampf kein anderes Thema als Die Auslendas, seien es Türken, Osteuropäer, Albaner, Moslems, Tschetschenier, Afghanen, Asylwerber oder Flüchtlinge, dann folgt daraus beinahe zwingend, dass dieses eine Thema täglich neu befeuert werden muss. Und wenn es keine gefälligen Echt-Nachrichten gibt, dann muss man eben gefällige Falsch-Nachrichten produzieren.

Das ist übrigens die wahre Rechte Lügenpresse, die – im Gegensatz zur behaupteten Linken Lügenpresse – tatsächlich existiert und täglich ihren Output in unser Facebook scheißt.

Abschließend wollen wir der demokratisch legitimierten Partei FPÖ aber ein paar ernste Frage stellen:

  • Hat die FPÖ es wirklich notwendig, dass ihre Anhänger Falschmeldungen verbreiten?
  • Hat die FPÖ ihre Funktionäre darauf hingewiesen, dass Meldungen erst nach bestätigter Echtheit verbreitet werden dürfen?
  • Wird sich die FPÖ von dieser Verbreitung von Falschmeldungen distanzieren? Und zwar in einer Form, die auch ihre Anhänger erreicht? Also auf Facebook, und nicht in irgendeiner Ecke auf OTS?
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